Wenn Kinder sterben müssen, zerreißt es uns das Herz

Hospizdienst Das Unternehmen Gett Industrietechnik aus Treuen ist Pate geworden

Wenn Kinder sterben müssen. Dann zerreißt es uns das Herz. Schon deshalb will gerade jetzt keiner drüber reden. Wann aber sollen wir es denn tun, wenn nicht in der Adventszeit? Jetzt halten doch alle inne. In diesen Tagen erreicht man die Menschen viel besser als sonst. Genau darum wendet sich eine Initiative aus dem Vogtland heute an jene Menschen, denen es gut geht und die gerne von ihrem Glück etwas abgeben. Der BLICK hat diesen ergreifenden Moment eingefangen. Wir sind unterstützen seit zwei Jahren diesen Verein.

Mein Papa ist letzte Woche gestorben...

Es war so kalt, am Dienstagfrüh in Auerbach. Und auch ganz still. Steve Möckel, Tino Pietzsch und Pierre Beer geben normalerweise immer den Ton an. Doch als Petra Zehe begann zu erzählen, hielten die drei "Ansager" den Mund. Der Blick des Geschäftsführer-Trios der Gett Gerätetechnik GmbH aus Treuen sank zu Boden. Internationale Erfolge hat das Unternehmen gefeiert. Na und? "Wir betreuen unter anderem einen kleinen Jungen. Er ist sieben Jahre. Vor einem Monat hat er einen ganz süßen Bruder bekommen. Jetzt ist sein Papa tot. Er starb einfach so. Aus dem Nichts! Und die Mama muss alle Kraft dem Baby widmen. Die Frau ist ganz schlimm dran. Der Junge tut so, als wäre alles normal." Solche Momente vergisst man schon als Zuhörer nicht. Derartiges in der Realität zu erleben? Unvorstellbar! "Aber der Tod ist mitten unter uns. Auch im Vogtland", weiß Petra Zehe, die geschäftsführende Koordinatorin vom Ambulanten Hospiz- und Beratungsdienst Nächstenliebe e.V. mit Sitz in Auerbach. In den kleinen Räumlichkeiten in der Nicolaistraße wird richtig schön durchgeheizt. Wer hierher kommt, soll es wenigstens warm haben. 108 Erwachsene werden bald unsere Welt verlassen. Auch für acht vogtländische Kinder bleibt die Uhr des Lebens bald stehen. Es ist einfach nur grausam...

"Wir können nur Dankeschön sagen!"

Steve Möckel, Tino Pietzsch und Pierre Beer erfuhren auch von 28 trauernden Kindern und ihren Eltern, die den Verlust eines kleinen Familienmitgliedes verarbeiten müssen. Kleinlaut! Das Unternehmen Gett ist in dieser Woche Pate geworden. Ganz ohne Vertrag und große Worte. "Liebe Frau Zehe! Wir können nur Dankeschön sagen! Wir bringen Ihnen wie immer 1.000 Euro. Aber diesmal haben auch unsere Mitarbeiter ganz spontan extra noch gesammelt. Und wir haben auch viele Geschenke dabei", überraschten die Businessherren die Koordinatorin. Besonders erfreulich: 63 Ehrenamtliche aus der Region übernehmen inzwischen die nächtlichen Sitzwachen am Sterbebett, damit die Angehörigen wenigstens für ein paar Stunden schlafen oder sich ausruhen können. Die Zahl der Hilfesuchenden steigt. Der Verein hat in diesem Jahr über 100 Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet und die Angehörigen betreut. Der im gesamten Vogtland tätige Verein betreibt zwei Beratungsstellen in Auerbach (Telefon 03744-3652577) und Klingenthal sowie fünf Trauercafés in Oelsnitz, Auerbach, Treuen, Adorf und Klingenthal.

Was genau macht der Hospizdienst?

Petra Zehe und Jana Flöther sind beide gelernte Krankenschwestern. Der Hospiz- und Beratungsdienst finanziert sich zu einem großen Teil aus Spendengeldern, Förderungen und Mitgliedschaften. "Nur so können wir auch in Zukunft Menschen in schwerer Krankheit und in ihrer letzten Lebensphase begleiten sowie die Angehörigen während der Zeit und danach unterstützen und entlasten", betonen Petra und Jana. Der Verein organisiert unter anderem Aktivitäten und Gespräche, aber auch gemeinsames Schweigen oder die Vereinsweihnachtsfeier. Die fachkundige Beratung und Krisenintervention für Schwerstkranke und Sterbende, für Angehörige und für Trauernde wird immer häufiger in Anspruch genommen. Zum Beispiel hilft dieser Verein auch beim Erstellen einer Patienten- und Betreuungsverfügung und einer Generalvollmacht. Man berät und hilft bei der Antragstellung bezüglich Schwerbehinderung, Pflegegrad, Rente und ähnlichen Anträgen.

Spendenkonto

Ambulanter Hospiz- und Beratungsdienst Nächstenliebe e.V. | IBAN: DE50 8705 8000 0101 0284 90 | BIC: WELADED1PLX | Stichwort Internet www.hospizverein.net