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Wenn nur 15 Angehörige mit zur Beerdigung dürfen...

Nachgefragt Hinterbliebene bringen Bestattern und Friedhofspersonal Verständnis entgegen

Adorf/ Weischlitz. 

Der Tod ist kein schönes Thema. Jeden Tag sterben in Deutschland statistisch gesehen 2.500 Menschen. Deren Angehörige müssen derzeit damit leben, dass wegen der Corona-Bestimmungen nur maximal 15 Trauernde den geliebten Menschen verabschieden dürfen. Der BLICK-Reporter hat bei Katja Sciascia und Diana Schlitter nachgefragt, was das bedeutet. Die Schwestern arbeiten in Adorf, Markneukirchen, Weischlitz und Reichenbach als Bestatterinnen. Der elterliche Familienbetrieb Rozynek & Bauer ist seit 1979 für Hinterbliebene da. Heidi und Siegfried Rozynek haben genau wie alle anderen Bestatter der Region solch eine diffizile Situation noch nie erlebt. "Es ist ganz bitter für Großfamilien, wenn bestimmt werden muss, wer an der Beerdigung teilnehmen darf und wer nicht", erzählen Katja und Diana. Dann wird es für einen Moment ganz ruhig im Raum...

Die Hinterbliebenen geraten in einen inneren Konflikt

Die Schwestern wissen, was es für Angehörige bedeutet, einen geliebten Menschen zu verlieren. "Es ist unerheblich, ob der Tod eines lieben Menschen überraschend oder vorhersehbar war. Immer ist der Verlust sehr schmerzlich. In dieser schweren Zeit ist es wichtig, eine helfende Hand an seiner Seite zu haben. Das gilt natürlich auch für die Trauerfeier, wo man sich gegenseitig stützt." Zwar hätten größere Familien die Möglichkeit, die Trauerfeier nach hinten zu verschieben. Der Gesetzgeber fordert, dass eine Urne bis spätestens sechs Monate nach Eintritt des Todes beigesetzt werden muss. "Wer sich entschließt zu warten, um darauf zu hoffen, dass bald wieder mehr Menschen an einer Beerdigung teilnehmen dürfen, der gerät in einen inneren Konflikt", berichtet Katja Sciascia. Die Geschäftsführerin versteht beide Entscheidungen sehr gut. "Es ist auf der einen Seite schrecklich, wenn man in einem Trauerfall nicht abschließen kann und auf die Beerdigung wartet. Die innere Anspannung und der Schmerz machen den Angehörigen zu schaffen." Diana Schlitter fügt hinzu: "Auf der anderen Seite ist es ebenso bitter, wenn man seinen Angehörigen mitteilen muss, wer mit und wer nicht mit auf den Friedhof kommen darf."

Die Familien entscheiden nach ausführlicher Beratung gemeinsam

Bemerkenswert ist aus Sicht der Bestatterinnen, "dass viele Familien zu uns kommen und sehr gefasst auf die Bestimmungen reagieren. Es wird eigentlich ausnahmslos gemeinsam entschieden." Das Unternehmen Rozynek & Bauer spricht in dieser komplizierten Zeit für alle Unternehmen in der Branche: "Die Bestatter geben genau wie Mitarbeiter auf den Friedhöfen im Vogtland alle ihr Bestes. Wir erleben eine Zeit, in der alle Beteiligten sehr viel Verständnis für den anderen aufbringen. Dafür möchten wir heute danke sagen. Keiner von uns kann etwas für die Coronakrise und die Bestimmungen. Wir alle hoffen, dass die Hygieneschutzmaßnahmen gelockert werden können. Leider weiß keiner, wann das passieren könnte." Die Bestatter der Region, versuchen den Hinterbliebenen so gut es geht beizustehen. "Wir zum Beispiel kommen auf Wunsch direkt nach Hause und versuchen zudem, so viele Unwägbarkeiten wie möglich im Vorfeld abzuklären", bekräftigt Katja, die zusammen mit ihrem Ehemann Antonio die Geschäftsleitung von den Eltern übernommen hat.