"Wie schön, dass wir in Frieden leben können"

Ausflugsziel Nach der Coronakrise wartet in Munster der letzte Panzer von Plauen

Munster. 

Munster. Die aktuellen Ausgangsbeschränkungen sorgen vielerorts für Tristesse und Langeweile. Alle sehnen die Zeit nach Corona herbei. Das wird aber noch dauern. Es steht auch die Frage: Wohin können wir überhaupt noch fahren? Eine Möglichkeit wird dann wahrscheinlich Munster sein. Die Kleinstadt liegt in der Lüneburger Heide, 25 Auto-Minuten vom Heidepark Soltau. Nicht nur für Familien empfiehlt sich ein Abstecher ins Deutsche Panzermuseum. Denn dort warten unglaublich spannende Geschichten, die gerade in Friedenszeiten zeigen, was nie in Vergessenheit geraten sollte. In Munster steht nämlich auch ein Kampfpanzer aus Plauen. Der Panzer IV reiht sich ein in die 6.000 Exponate, die in fünf Hallen ganz dicht beieinander stehen. Genau dieser Umstand verspricht Kurzweil. Denn zu den Militärgeschützen gibt es jeweils kurze Erklärungen und es stehen sich zum Beispiel auch die Nato und der Warschauer Pakt direkt gegenüber.

Technikfreaks werden begeistert sein

"Ich hätte im Vorfeld nicht für möglich gehalten, dass ich nach anderthalb Stunden so angetan bin von diesem Museumsbesuch", berichtet Tino Pietzsch. Der Plauener war Ende Januar von seinem Freund Bernd Märtner überredet worden, auf der Rückfahrt einer Hamburg-Reise in Munster Halt zu machen. Mit im "Boot" saß Kevin Reißner, der bereits zum zweiten Mal in die Weltgeschichte der Kampfpanzer, Schützenpanzer, Flakpanzer, Sturmgeschütze, Spähpanzer und Panzerartillerie eintauchte. "Es war auch beim zweiten Mal megaspannend, weil es einfach ganz viel zu sehen gibt. Wer von Technik begeistert ist, der schnalzt hier mit der Zunge", verspricht der Plauener.

Dieser Panzer wurde in Plauen gebaut

Gerade in Plauen als früherem Rüstungsstandort ist über das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte heutzutage nur noch wenig bekannt in Bevölkerungskreisen. Die Erinnerung an die Panzer der Wehrmacht ist meist durch die großen und späten Modelle wie Tiger und Panther geprägt. Doch es war dieser Panzer IV, der zwischen 1939 und 1945 fast ein Drittel aller deutschen Kampfpanzer stellte. Im Museum erfahren die Vogtländer: "Der im Museum gezeigte Panzer wurde 1942 in Plauen gebaut und nach Nordafrika verschifft. Dort wurde er in Tobruk entladen." Wenige Tage später blieb die fünfköpfige Besatzung mit dem Kampfpanzerwagen IV (Ausführung G) liegen. Das Kettenfahrzeug wurde von der britischen Armee erbeutet. Insgesamt 8.635 Exemplare wurden in verschiedenen Versionen gebaut. Mit seinen 300 PS brachte es der Panzer IV auf 20 km/h im Gelände und 40 km/h auf der Straße.

Ist das Ende des Panzers nah?

Diese Frage stellte nicht nur Musiker Udo Lindenberg: Wozu sind Kriege da? Auch der Panzer stand nach 100 Jahren seiner Existenz auf dem Prüfstand. Die meisten Völker der Welt wünschen sich Frieden und so folgte nach dem Ende des sogenannten "Kalten Krieges" zwischen Ostblock und den Westmächten eine unglaubliche Abrüstung. Die europäischen Armeen reduzierten von 1990 an ihre Panzerflotten drastisch. Im Museum erfährt man: Die Bundeswehr hielt 1985 rund 3.500 Panzer einsatzbereit. Im Jahr 2015 verfügte das 1990 wiedervereinigte Deutschland nur noch über 225 Kampfpanzer. So gesehen ist dieser bedeutende Militärstandort in Munster heute ein Stück Deutsch-Deutsche-Friedensgeschichte.

Junge Leute sollten Munster besuchen!

Honorarprofessor Dr. Bernd Märtner steht übrigens an der Staatlichen Studienakademie in Plauen häufig jungen Menschen gegenüber, die keine Ahnung haben von dem, was man in Munster empfinden kann. "Es ist ein wahnsinnig tolles Gefühl, wenn du als Vogtländer gut gelaunt zwischen amerikanischen und russischen Panzern stehen kannst. Sie haben ihren Schrecken verloren! Wie schön, dass wir in Deutschland in Frieden leben dürfen." Was man vielleicht noch wissen sollte: Schon früh in der Kriegsgeschichte wurde versucht, gepanzerte Fahrzeuge zu Kriegszwecken einzusetzen. In der antiken Kriegsführung wurde der Streitwagen sowohl für den Fernkampf durch Bogenschützen wie auch für den Nahkampf zum Überrennen feindlicher Linien benutzt.