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10 Jahre "Störfaktor": die Skepsis ist überwunden

Festival BLICK im Interview mit den Festival-Organisatoren

Zwickau. 

Zwickau. Letztes Wochenende fand zum 10. Mal das Störfaktorfestival auf dem Zwickauer Flugplatz statt. Jährlich besuchen etwa 700 Punk- und Ska-Fans die dreitägige Veranstaltung des ortsansässigen Vereins Roter Baum. Sie steht für ordentlichen Punk, eine familiäre Atmosphäre und günstiges Bier. Das gibt es nämlich ab einem Euro - so flossen in diesem Jahr ganze 3.500 Liter. BLICK-Reporterin Lilith Grull sprach mit den Organisatoren Rene und Vinne über ein Jahrzehnt Festival.

BLICK: Auf was blickt ihr am liebsten zurück?

Rene*: Natürlich auf die persönlichen Erinnerungen. Wenn Freunde kommen und sie noch im Nachthemd bis in die Frühe feiern. Oder, wenn eine Band spielt, die man schon immer live sehen wollte.

Vinne*: Genau. Die Musiker, die man mit elf als Idol hatte, jetzt mit 24 live zu sehen. Da freut man sich selber mindestens genauso, wie unsere Besucher.

Das Festival eröffnete 2018 mit britischem Punk durch Wonk Unit und beendetet den ersten Abend politisch. Bis um zwei Uhr diskutierten gut 50 Besucher über die Rechte Szene.

Rene: Bei 72 Stunden muss man Programm auch neben der Musik bieten. Das haben wir beispielsweise mit dem Graffiti-Workshop am Samstag und eben mit der Filmvorführung von "Blut muss fließen" am ersten Tag versucht. Der Regisseur beantworte im Anschluss Fragen zu seiner Dokumentation der rechten Musikszene. Dass wir ein politisch eher links orientiertes Festival sind, ist generell bekannt und wird auch von uns und dem Verein nach außen getragen.

Aber manches blieb traditionell: Boxen und das Bier für einen Euro. Wie geht das?

Rene: Unser eher freundschaftliches Rummelboxen gibt es schon lange. Ringrichter und Moderator finden sich stets spontan, von den Essensständen oder privat wird ein Gewinn gespendet. Seit dem Turnier haben wir auch so gut wie keine Auseinandersetzungen mehr auf dem Gelände. Bei so vielen Menschen auf einem Haufen, ist das ja eigentlich vorprogrammiert.

Vinne: Nicht nur das Bier ist günstig, wir sind es generell. Das geht, weil alle ehrenamtlich mit anpacken und viel gespendet wird. Die Einzigen, die wir sozusagen richtig bezahlen, sind die Musiker und Techniker. Allerdings auch nur für einen Freundschaftspreis.

Das Festival an sich kostet ja schon ein paar Zehntausende Euro vorab. Wie finanziert ihr euch?

Rene: Wir schießen es jedes Jahr selber und durch Bekannte vor. Mit Eintritt, Getränken, Einnahmen vom Essens- und T-Shirt-Verkauf, gleichen wir die Kosten wieder aus. Wenn mal etwas überbleibt, geht es an den Verein. Das kommt aber eher selten vor.

Stand das Festival schon mal auf der Kippe?

Vinne: Ja klar. Gerade wegen der privaten Finanzierung müssen wir stets gut kalkulieren. Wenn nicht ausreichend Besucher kommen, machen wir enorme Schulden. Letztes Jahr hatten wir sogar überlegt es ausfallen zu lassen, weil es sich mit dem G20 überschnitten hat. Auch die Konkurrenz von anderen zeitgleichen Festivals wächst. Aber nein, bisher ist es noch nicht zum Äußersten gekommen.

Welche anderen Hürden gibt es?

Rene: Am Anfang begegnete man uns schon mit Skepsis. Wir starteten am Schwanenteich mit fünf Bands und fühlten uns wie ein Störfaktor - so kamen wir auch vom Punk- und Skin-Treff auf den jetzigen Namen. Mit viel Dialog konnten wir uns aber schnell etablieren. Und nach vier Jahren auf den Flugplatz ziehen, so wachsen und immer professioneller werden.

Vinne: Vor einigen Jahren hatten wir ein paar Besucher aus der eher rechten Szene. Doch beide Seiten haben schnell und recht friedlich eingesehen, dass die fehl am Platz waren. Die letzten Jahre blieb es ruhig, unsere Grundsätze sind aber jetzt auch allen klar. Und die Leute kommen ja natürlich, um eine gute Zeit zu haben. Privat hat man da teils etwas mehr zu kämpfen. Da steht dann beim Kollegen ein böser Spruch an der Haustür. Aber davon lassen wir uns nicht entmutigen.

Gibt es schon Pläne für das kommende Jahr?

Rene: Wie immer soll es am ersten Juliwochenende stattfinden. Das Kulturprogramm wird ausgebaut und die ersten Bands sind angefragt. Mehr wird nicht verraten.

* Die Organisatoren möchten anonym bleiben.



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