Alex Barros ist nun auch ein halbes Jahrhundert alt

MOTORSPORT Brasilianer stand zwei Mal auf dem Sachsenring-Podest

Sachsenring. 

Sachsenring. Am heutigen 18. Oktober macht nun auch Alex Barros die 50 voll. Den Fans am Sachsenring ist der ehemalige Motorrad-Grand-Prix-Pilot unter anderem durch seinen Sieg im Rennen der 500-ccm-Klasse im Millenniumsjahr 2000 in guter Erinnerung. Er ist aber auch derjenige, der beim Comeback der Motorrad-WM auf dem nun deutlich verkürzten neuen Sachsenring 1998 die schnellste Rennrunde drehte. Dieses Kunststück gelang dem Brasilianer auch 1999 und 2004.

Jungspund in der WM

Geboren wurde Alexandre Barros am 18. Oktober 1970 in Sao Paulo. Seine ersten Rennen bestritt er im Alter von acht Jahren in der brasilianischen Minibike-Meisterschaft, die er 1978 auf Anhieb gewinnen konnte. Danach stieg er zu den, wenngleich anfangs noch kleineren, richtigen Motorrädern auf. 1981 gewann er dann die brasilianische Meisterschaft in der Klasse bis 50 ccm. 1985 holte er sich bei den 250ern einen weiteren nationalen Titel und debütierte danach als 15-Jähriger in der Motorrad-Weltmeisterschaft. Dazu ging es für ihn zunächst wieder in die 80-ccm-Klasse. Sein erster Grand Prix war jener im spanischen Jarama, bei dem er genauso ohne Punkte blieb wie bei den nächsten fünf 80er-Rennen des Jahres. Beim dritten Saisonrennen auf dem Nürburgring sah er zumindest erstmals die Zielflagge, fuhr als Elfter aber knapp an seinem ersten WM-Punkt vorbei. Beim siebenten von neun Läufen fuhr er im englischen Silverstone mit einem Motorrad des spanischen Nischenherstellers Autisa auf Rang acht und errang somit seine ersten drei WM-Punkte. Dieses Ergebnis wiederholte er gleich danach im italienischen Misano, woraufhin er in der WM-Endabrechnung als Gesamt-16. des Jahres geführt wird.

1987 holte er zwar mit einer ebenfalls spanischen 80er-Arbizu acht WM-Punkte, was in der Endabrechnung aber nur zu Rang 17 reichte.

1988 beschränkte er sich auf die Meisterschaft in seinem Heimatland und schnupperte, nun wiederum in der 250-ccm-Kategorie, wenigstens beim Grand Prix von Brasilien in Goiania erneut WM-Luft.

Im darauffolgenden Jahr bestritt er neun der 15 250er-Grand-Prix, sammelte 30 WM-Zähler, wobei es seit 1988 bis zum 15. des jeweiligen Rennens WM-Punkte gab. Damit wurde er Gesamt-18. Sein bestes Einzelergebnis erzielte er im schwedischen Anderstorp als Neunter.

Jüngster 500er-Pilot

1990 wechselte Alex Barros als 19-Jähriger und damit als jüngster Fahrer aller Zeiten in die damalige Königsklasse bis 500 ccm. Beim zweiten Rennen als Werksfahrer für die italienische Marke Cagiva holte er als Achter hinter seinem Teamkollegen Randy Mamola aus den USA bei dessen Heimrennen in Laguna Seca seine ersten WM-Punkte bei den "Großen". Am Jahresende hatte er als WM-Zwölfter die Nase vor Randy Mamloa, der nur 14. wurde.

1991 wurde Mamolas Landsmann Eddie Lawson Alex Barros´ Teamkollege. Der vierfache Weltmeister war zwar eine deutlich härtere Nuss, aber sicherlich auch ein besserer Lehrmeister. Mit Platz vier in Misano kam Alex Barros mit der immer noch etwas schwachbrüstigen Cagiva dem Podest schon ziemlich nahe, welches er 1992 nach Rang drei im niederländischen Assen erstmals besteigen durfte.

Im darauffolgenden Jahr wechselte er ins Suzuki-Werksteam an die Seite von Kevin Schwantz, ebenfalls aus den USA. Während der Publikumsliebling mit vier Saisonsiegen seinen ersten und gleichzeitig einzigen Weltmeistertitel feierte, wurde Alex Barros zwar WM-Sechster, verfehlte aber ein ums andere Mal das Siegerpodest. Nicht so am Saisonende. Beim vorletzten Saisonrennen in Laguna Seca fuhr er hinter seinem Nachfolger bei Cagiva, dem US-Boy John Kocinski, auf Rang zwei und durfte sich beim Finale in Jarama schließlich über seinen ersten Grand-Prix-Sieg freuen.

Größte Erfolge mit Honda

1995 wechselte Alex Barros zu Honda und erzielte mit und für den weltgrößten Motorradhersteller als jeweils WM-Vierter 1996, 2000, 2001 und 2004 seine besten WM-Endplatzierungen. Dabei feierte Alex Barros 2000 in Assen und auf dem Sachsenring, 2001 im italienischen Mugello, 2002 im japanischen Motegi und im spanischen Valencia sowie 2005 im portugiesischen Estoril weitere Grand-Prix-Siege, demzufolge in Summe deren sieben.

Für 2006 erhielt er keinen Vertrag im MotoGP-Fahrerlager und bestritt daraufhin für das Team Klaffi Honda die Superbike-Weltmeisterschaft. Mit zwei Laufsiegen und schlussendlich dem sechsten WM-Rang machte er als Rookie auch hierbei eine recht gute Figur.

2007 kehrte er noch einmal in die MotoGP zurück und pilotierte in einem sogenannten Satellitenteam eine Ducati. In Mugello fuhr er als Dritter noch einmal aufs Podest und belegte am Saisonende den zehnten WM-Rang. Danach hängte Alex Barros als inzwischen 37-Jähriger den Helm an den berühmten Nagel.

Meilensteine am Sachsenring gesetzt

Zu seiner Sachsenring-Bilanz wäre zu erwähnen, dass Alex Barros beim WM-Comeback 1998 im Rennen der 500-ccm-Klasse hinter dem Australier Mick Doohan, dem Italiener Max Biaggi und dem Spanier Alex Criville zwar nur undankbarer Vierter wurde, aber nach seiner Fabelrunde in 1:28,381 Minuten gleich 142,890 km/h als erster Rundenrekordhalter auf dem neuen noch provisorischen Kurs in die Geschichte einging. Dabei war er mit seiner 500er nur knapp zweieinhalb Zehntel schneller als der schnellste 250er-Pilot, der Japaner Tetsuya Harada.

Etwas größer war der Unterschied im darauffolgenden Jahr, in dem Alex Barros als nur Achter des Rennens dennoch in 1:28,072 Minuten gleich 143,391 km/h die schnellste Runde des Tages drehte.

2000 feierte Alex Barros auf dem Ring den dritten seiner insgesamt sieben Grand-Prix-Siege, fuhr aber dabei nicht die schnellste 500er-Runde. Das war dem Japaner Tadayuki Okada vorbehalten, der auf dem umgebauten Kurs zwar eine deutlich kürzere Rundenzeit fabrizierte, die aber langsamer war als die des Siegers des 250er-Rennens, Olivier Jacque aus Frankreich.

2004 raste Alex Barros als Zweiter hinter Max Biaggi noch einmal aufs Sachsenring-Podest und erzielte dabei zum dritten Mal die schnellste Runde des Tages, diesmal in 1:24,056 Minuten gleich 157,223 km/h.