Alex Criville im Kreis der 50-Jährigen angekommen

MOTORSPORT Zweifacher Weltmeister feierte zwei Sachsenring-Podestplätze

Sachsenring. 

Sachsenring. Seit diesem Monat ist auch Alex Criville dem Kreis der 50-Jährigen beigetreten Der Spanier erblickte am 4. März 1970 in Seva unweit von Barcelona das Licht der Welt und gehörte von seinem ersten WM-Rennen an für viele Jahre zur Weltspitze.

Mit dem Comeback des (neuen) Sachsenrings als WM-Strecke 1998 gab auch er seinen Einstand in Hohenstein-Ernstthal. Im Rennen der 500-ccm-Klasse wurde er am 19. Juli hinter seinem übermächtigen Teamkollegen Mick Doohan aus Australien und dem Italiener Max Biaggi Dritter.

Zehn Jahre nach seinem ersten WM-Titel in der Klasse bis 125 ccm, sollte 1999 sein großes Jahr in der Königsklasse werden, wenngleich dies von Mick Doohans Missgeschick begünstigt wurde. Beim dritten Grand Prix im Alex Criville stets wohlgesonnenen Jerez de la Frontera stürzte der Serienweltmeister der Jahre 1994 bis 1998 aus "Down under" am Trainingsfreitag schwer und zog sich dabei mehrere komplizierte Brüche im Bein, der Schulter und dem Handgelenk zu. Die bedeutet nicht nur dessen vorzeitiges Saison-, sondern letztlich auch sein Karriereende. Alex Criville übernahm für das Repsol-Honda-Werksteam die Rolle des Titeljägers, holte sechs Siege, dazu vier weitere Podestplätze und schließlich den WM-Titel. Auf dem Weg dahin wurde er auf dem Sachsenring hinter dem US-Amerikaner Kenny Roberts jr. und vor dem langhaarigen Japaner Norick Abe Zweiter.

Rasanter Aufstieg

Der Aufstieg von Alejandro Criville Tapias verlief rasant. So ließ er sein Talent unter anderem 1986 mit seinem nationalen Titelgewinn in der Klasse 75 ccm Criterium Solo Moto aufblitzen. Daraufhin wurde er ins spanische Derbi-Werksteam befördert, welches neben dem WM-Engagement junge Talente in der damals gut besetzten und bedeutungsvollen Europameisterschaft aufbaute. Mit Erfolg, denn hinter seinem Teamkollegen und Landsmann Julian Miralles sowie dem in den 1980er-Jahren am Sachsenring ebenfalls bestens bekannten Ungarn Karoly Juhasz wurde Alejandro Criville am Jahresende EM-Dritter.

In jenem Jahr hatte er auch seinen ersten ganz großen Auftritt in der Weltmeisterschaft. Am 26. April 1987 ging im spanischen Jerez de la Frontera der Europaauftakt als zweite Saisonstation der Motorrad-WM über die Bühne. Bei diesem war die 80-ccm-Klasse zum ersten Mal im Einsatz, und per Wild Card auch der junge Alejandro Criville. Gut einen Monat nach dem EM-Saisonauftakt an gleicher Stelle hielt er nicht nur mit den Weltbesten mit, sondern sorgte bei seinem ersten WM-Rennen als Zweiter hinter dem amtierenden Weltmeister Jorge Martinez und vor Julian Miralles für einen spanischen sowie Derbi-Dreifachsieg. Zwar war er 1987 noch zwei weitere Male in der WM am Start, doch sprang dabei nichts Zählbares für ihn heraus. Dennoch wurde er mit dem Jerez-Ergebnis in der Endabrechnung als Gesamtelfter geführt.

WM im Sturm erobert

1988 bestritt er alle sieben WM-Rennen der 80-ccm-Klasse, feierte dabei fünf Podestplätze und wurde schließlich hinter Jorge Martinez Vizeweltmeister. Zudem schnupperte er vier Mal in die nächsthöhere 125-ccm-Klasse hinein, auf die er sich 1989 konzentrierte. Er verließ den Derbi-Rennstall, wurde "Alleinunterhalter" auf der ganz neuen JJ Cobas und hatte auch hier auf Anhieb Erfolg. Mit dem von einem österreichischen Rotax-Motor befeuerten Einzylinder-Motorrad gewann Alex Criville, wie er sich inzwischen international angepasst nannte, fünf der zwölf WM-Läufe, stand vier weitere Male auf dem Podest und feierte seinen ersten WM-Titel.

Danach wechselte er in die 250-ccm-Klasse und wurde ohne Sieg oder Podestplatz 1990 WM-Elfter sowie 1991 WM-13.

Das änderte sich 1992 für ihn wieder zum Positiven, denn er war in die Halbliterklasse ins Honda-Team des zweifachen Weltmeisters Sito Pons gewechselt. Ein zweiter Platz in Malaysia sowie sein Sieg im niederländischen Assen waren seine Saison-Highlights. Nach einem weiteren Jahr im Semi-Werksteam von Sito Pons, welches er mit zwei Podestplätzen wieder auf dem achten WM-Endrang beendete, wurde er 1994 ins Repsol-Honda-Werksteam als Teamkollege von Mick Doohan befördert. Der Australier war allerdings inzwischen in Kombination mit der Honda eine absolute Macht, sodass Alex Criville deutlich im Schatten des Buschmannes stand. Wenngleich Mick Doohan von 1994 bis einschließlich 1998 einen WM-Titel nach dem anderen abräumte, stand Alex Criville seinen Mann, gewann in dieser Zeit sieben Grand Prix und belegte die WM-Endränge sechs, vier, zwei, vier und drei.

Nach zweitem WM-Titel neigte sich Karriere dem Ende

Nach seinem zweiten WM-Titel im Jahr 1999 ging es für ihn allerdings fast ebenso schnell abwärts, wie er in der WM nach oben gekommen war. Mit nur noch einem GP-Sieg und drei Podestplätzen, gleichmäßig verteilt auf die Jahre 2000 und 2001, wurde er lediglich WM-Neunter bzw. -Achter. Zwar hatte Alex Criville dabei seine Teamkollegen Tadayuki Okada und Sete Gibernau bzw. Tohru Ukawa in Schach gehalten, verlor danach dennoch den Honda-Werksvertrag. Daraufhin zog er sich mit inzwischen zunehmenden gesundheitlichen Problemen vom aktiven Rennsport zurück.