Alte Liebesgeschichte mit Hingabe getanzt

Ballettpremiere Kammerspiel mit phänomenalen Klängen

Carsten Körber gehört zu denjenigen, die sich in weiter Voraussicht rechtzeitig die Karten für die restlos ausverkaufte Premiere von "Tristan / Isolde" in Zwickau besorgten. Dabei wusste der Zwickauer nicht einmal, dass es sich um ein Ballett handelte. Für sein Interesse reichte schon allein der Name des Stücks von Torsten Händler, das am Freitag auf der Hinterbühne des Gewandhauses uraufgeführt wurde.

Der große Richard-Wagner-Fan erkannte freudig auch Musikfragmente aus der Oper "Tristan und Isolde" seines Lieblingskomponisten. "Sehr verfremdet und doch sofort wieder zu erkennen", erklärte Körber voller Lobes für den Komponisten Steffan Claußner. "Es ist phänomenal, welche Klänge er live auf dem Flügel und auf der Nagel-Geige erzeugt und welche Spannung er mit seiner Musik aufbaut", sagt der Politiker, der sich, wie die restlichen 100 Premierengäste, nach den letzten Musikakkorden die Hände wund klatschte. Hoch gelobt wurde auch die Arbeit des Ballettdirektors Torsten Händler, der seinen acht Tänzern und dem Publikum eine fast unzumutbare Nähe zumutete und damit eine ganz besonders dichte szenische Atmosphäre schaffte. Nach seinem 70-minütigen Kammerspiel hieß es einhellig: "Genial ist auch die Liebesszene ganz ohne Musik".

Getanzt wird diese sehr hingebungsvoll von Kojiro Suzuki (Tristan) und Colombe Vanabelle (Isolde). Tosten Händler inszenierte die tragische Liebesgeschichte von Tristan und Isolde mit nur vier Haupt- und vier Nebenpersonen so einleuchtend, dass die Handlung auch für den Zuschauer nachvollziehbar ist, der völlig unvorbereitet zur Aufführung kommt und noch nie etwas von der mittelalterlichen Sage gehört hat, die im 13. Jahrhundert in 20.000 Versen von Gottfried von Straßburg nicht zu Ende geschrieben wurde. lut