Bildende Kunst als Botschaft

Neue Ausstellung Die Kunst in Umbruchsituationen

Bildende Kunst von der Reformation bis heute bringt meist eine eigene visuelle Kultur hervor. Künstler reagieren auf gesellschaftliche Umbrüche seit jeher mit neuen Ausdrucksformen und Medien. So nutzten Meister wie Albrecht Dürer und Lucas Cranach den leicht zu vervielfältigenden Holzschnitt für ihre Botschaften. Unter dem Titel "Re Bellion - Re Ligion - Re Form" ist seit dem 31. Oktober in den Kunstsammlungen Zwickau eine Ausstellung zu sehen. Ausgehend von der Reformationszeit will die international angelegte Exposition bildende Kunst in Umbruchsituationen bis in die Gegenwart hinein vorstellen.

Der Bogen der Objekte spannt sich von spätmittelalterlichen Druckgrafiken religiösen Inhalts, wie Cranachs "Passional Christi und Antichristi" von 1521 über politische Avantgardeplakate aus der frühen Sowjetunion sowie expressiven Holzschnitten von Karl Schmidt-Rottluff und Max Pechstein bis zur Street-Art der ägyptischen Revolution seit 2011. Zu sehen sind weiterhin Installationen und Videoarbeiten. In der Schau lösen Spannungen in Glaubensfragen und soziales Unbehagen Umbrüche aus. Insofern stehen Reformation und Deutscher Bauernkrieg modellhaft für komplexe Krisensituationen.

Beim heutigen Blick auf den Arabischen Frühling, nach Israel und Palästina, auf die Islamische Republik Iran, auf den langjährigen Bürgerkrieg in Sri Lanka oder auf Russlands wieder erstarkte Orthodoxie, so wird klar: A

llzu oft begleiten religiöse Dispute die Kontroversen oder lösen sie gar aus. Konträre religiöse Ansichten liefern Rechtfertigungen für Aufstand und Gewalt. Das hat sich seit fünfhundert Jahren nicht geändert.

Die Botschaft: bildende Kunst fungiert nicht nur als Kommentar, sondern auch als Katalysator. Nicht von ungefähr widmet sich die Lutherdekade 2015 diesem Thema. msz/pes