"Das darf nie wieder geschehen"

Zeitzeuge Der Auschwitz-Überlebende Justin Sonder vor Gymnasiasten

An Gott glaubt der Auschwitz-Überlebende Justin Sonder nicht mehr. "Wie könnte er den Tod so vieler Menschen zulassen", sagt der Chemnitzer, der mit 17 Jahren von den Nazis dafür verhaftet wurde, dass er als Jude geboren wurde. Auf der Veranstaltung des Vereins Christlich-Jüdische-Zusammenarbeit im Zwickauer Peter-Breuer-Gymnasium erzählte er am Montag unter anderem wie er als Schulanfänger 1933 die Machtergreifung der Nazis und 1938 die Pogromnacht in Chemnitz erlebte. "Nicht alle Nazis waren Verbrecher und nicht alle Deutsche willige Helfer", sagt Sonder, der mit 19 Jahren zum jüngsten Kriminalisten Sachsens nach dem Krieg wurde. Zuständig für schwere Verbrechen in Bezirk Karl-Marx-Stadt. Er nennt Namen der Menschen, die ihm während der Nazi-Zeit geholfen haben zu überleben. Auch des strammen Nazis, der als Butterhändler ihm ohne Marken und ohne zu zögern "Stück Butter und Klecks Quark" mitgab. Gern erinnert er sich an "Tante Hanna", eine liebe Chemnitzer Nachbarin. Eine Christin. Ihr durfte er aus dem Lager eine Karte schreiben. Und bekam daraufhin ein Päckchen von seinem Kinderarzt. Mit Kuchen, Zwieback und Maggi-Suppe. "Wie sich herausgestellte, war Dr. Jäger ein Widerstandskämpfer", sagt Sonder, der in Auschwitz zum Widerstandskämpfer wurde. Über das, was er in Auschwitz erlebt hat, konnte Sonder, der am Donnerstag 87 Jahre alt wurde, noch 20 Jahre danach nicht reden. "Ich habe aber 1945 alles niedergeschrieben, nur zu lesen bekam es noch niemand", verriet Sonder, der nach der Befreiung nach Chemnitz zurückkehrte, um seine Heimat aufzubauen.

"Nie wieder Krieg - das haben wir uns damals geschworen. Leider lernen Menschen selten aus der Geschichte. Lasst nicht zu, dass so etwas wieder passiert", sagt der Antifaschist, der dafür sein langes Schweigen brach.