Der eine schraubt, der andere fährt

Motorsport Über 100 Starter auf dem August-Horch-Ring

Ich bin wohl der älteste Mechaniker der Welt", scherzt Wolfgang Weichelt. Zur fünften Demonstrationsfahrt für historische Renn- und Sportfahrzeuge auf dem August-Horch-Ring im Gewerbegebiet Zwickau-Reinsdorf war er es mit Sicherheit. Der 88-Jährige betreute am Wochenende "seinen Fahrer" Chris Meyer. "Er fährt eine original MZ-Werksmaschine Baujahr ´64 mit Achtganggetriebe. Das kann er hier zwar nicht ausfahren, aber in Assen, Spa oder Brno macht das dann schon Spaß", erzählte der einstige Sachsenring-Versuchsingenieur weiter. "Da ist's einem schon wie einem kleinen Cortese zumute", bestätigte Meyer das beiderseits vorhandene Benzin im Blut.

Bis 1956 ist Weichelt Enduro gefahren, musste aber nach einem Sturz seine Laufbahn beenden. Seither tüftelt er an Motoren. Auch die Zweizylinder 125 Kubikzentimeter starke WW (Wolfgang Weichert) aus dem Jahr 1982 ging mit dem 40-jährigen Meyer auf den 1,2 Kilometer langen Rundkurs. "Die ist aus verschiedenen Einzelteilen zusammengebaut und schnurrt wie ein Kätzchen", waren sich Konstrukteur und Fahrer einig. Auf vier Rädern war in den jeweiligen Zeitfenstern von fünfzehn, zwölf und zehn Minuten Klaus Ostermann unterwegs. Sein MT 77 (Melkus/Taßler) war bis 1986 das Maß der Dinge im osteuropäischen Formel-Rennsport. Er wurde zu früheren Rennen von Peter Saupe gelenkt. "Bei dem war ich auch einige Zeit Mechaniker", erinnerte sich der Kirchberger. "Früher habe ich Formel I nur im Fernsehen geschaut. Als ich wegen einer Motorreparatur diesen Wagen im Original gesehen habe, war ich schlagartig mit Benzin geimpft!" Auf dem Lausitzring oder in Most fährt er auch mal die 300 Stundenkilometer voll aus: "Da ist man wie Schumi, nur nicht in der Beschleunigung."