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Des einen Freud, des anderen Leid

MOTORSPORT Stefan Prein feierte einzigen Grand-Prix-Sieg - schwerwiegender Unfall von Reinhold Roth

Rijeka/Jugoslawien. 

Heute vor 30 Jahren war aus deutscher Motorsport-Sicht ein ziemlich geschichtsträchtiger Tag. Am 17. Juni 1990 feierte im unweit des damals noch jugoslawischen Küstenorts Rijeka Stefan Prein im Rennen der 125-ccm-Klasse seinen ersten, aber auch einzigen Grand-Prix-Sieg. 14 Jahre erlangte der redegewandte und mitunter etwas im Zwielicht stehende Wuppertaler am Sachsenring eine gewisse Berühmtheit, als er beim damals äußerst unterhaltsamen Benefiz-Fußballspiel der Grand-Prix-Piloten gegen eine Auswahl prominenter Ex-Athleten aus anderen Sportarten auf dem Pfaffenberg Hohenstein-Ernstthals als Torwart mitwirkte. Beim Aufwärmen war Stefan Prein noch dabei, doch nachdem Gerüchte kursierten, dass ein Steuerfahnder oder ein Gerichtsvollzieher ihn zu sprechen wünschte, verdünnisierte er sich im angrenzenden Wald. Nachdem die Luft auch für ihn wieder rein zu sein schien, tauchte er wie Phoenix aus der Asche wieder auf und hütete zumindest in der zweiten Halbzeit unter aller Augen das Tor.

"Jointies" letzte Fahrt

Jener 17. Juni 1990 war aber auch ein sehr denkwürdiger Tag. Deutsche Fahrer redeten damals bei der Vergabe der Siege und Podestplätze noch ein gehöriges Wort mit. Vor dem siebenten von 15 WM-Läufen belegten in der Klasse bis 250 ccm Stefan Bradls Vater Helmut, der letzte MZ-Inhaber Martin Wimmer, der Schwabe Jochen Schmid und der Allgäuer Reinhold Roth die WM-Plätze fünf bis acht. Bradl und Wimmer hatten zuvor schon auf dem Podest gestanden. Zu Beginn des Rennens begann es erst leicht zu tröpfeln, später wurde der Regen stärker. In der 24. Runde hatte die Rennleitung ein einsehen und brach das Rennen ab. Zu spät für Reinhold Roth, denn kurz zuvor war die siebenköpfige Spitzngruppe auf einen zu überrundenden Fahrer aufgelaufen. Während die ersten Fahrer das rollende Hindernis erkannten und ausweichen konnten, krachte Reinhold Roth voll in den Nachzügler hinein. Seitdem ist er ein Pflegefall mit keinerlei Aussicht auf Genesung. Im Jahr zuvor war "Jointie", wie der allseits beliebte Rennfahrer wegen seines nicht gerade geringen Zigarettenkonsums oft genannt wurde, noch vielumjubelter Sieger beim besonders von Ostdeutschen stark frequentierten WM-Lauf im damals noch tschechoslowakischen Brno. Es war Reinhold Roths dritter und letzter GP-Sieg.

Das Chaos regierte den ganzen Tag

Auch das erste Rennen Tages in Rijeka 1990 war ein Chaosrennen. Stefan Prein reiste nach unter anderem zwei zweiten und einem dritten Platz als WM-Zweiter der Achtelliterklasse an. Dirk Raudies aus Biberach war bis dato Gesamtvierter. Nach einem Massensturz in der ersten Kurve wurde das Rennen zunächst abgebrochen. Nach seltsamen Entscheidungen offenbar überforderter Funktionäre, Änderungen an der Startkurve, einem Sitzstreik der Fahrer sowie fünf Besichtigungsrunden ging es über 19 Runden, nach denen neun Fahrer innerhalb einer Sekunde im Ziel eintrafen. Beim ersten und einzigen Grand-Prix-Sieg von Stefan Prein wurde sein Kumpel Ralf Waldmann Vierter, was das bis dahin beste WM-Resultat des 2018 viel zu früh verstorbenen Ennepetalers darstellte.

 



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