"Die Familie ist nach Hause gekommen"

gedenken Stolpersteine erinnern an die Zwickauer NS-Opfer

Charles Moerdler mit Frau, Kinder und Enkelkindern am Alten Steinweg 16, wo, Mendel Brandwein ein Geschäft unterhielt. Foto: Ludmila Thiele

Zwickau. Auf Gehwegen und vor Häusern, in denen einst Menschen lebten, die dem Holocaust zum Opfer fielen, liegen seit Juni 2003 "Stolpersteine" - zum Gedenken und zur Mahnung.

Sieben neue Stolpersteine in Zwickau

Initiiert wurde die Verlegung der ersten sieben "Stolpersteine" durch die Projektgruppe Geschichte des ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums. 2007 führte eine Schülergruppe des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums (KKG) des Projekt fort. 2017 setzten Schüler des Leistungskurses Geschichte Klasse 11 des KKG das Projekt fort. Am 29. Mai wurden sieben neue Gedenksteine verlegt. Zwei für Liebi und Mendel Josef Klein und fünf für die Familie Brandwein.

"Es gibt keinen Friedhof, kein Grab, das wir besuchen können. Aber jetzt gibt es in Zwickau eine Erinnerung an sie. Dafür sind wir unendlich dankbar. Heute ist die Familie Brandwein nach Hause gekommen", sagt Charles Moerdler, der Enkel von Minna und Mendel Brandwein, die zusammen mit zwei Töchtern und dem kleinen Enkel Jack am 28. Oktober 1938 aus Zwickau nach Polen abgeschoben und 1942 in Belzec ermordet wurden. Nur Charles und seine Mutter Erna Anna, die älteste Tochter der Brandweins, überlebten Holocaust.

Es gab nur zwei Überlebende in der Familie

Der 82-jährige Charles Moerdler reiste mit seiner Familie aus New York an, um bei der Stolpersteinverlegung für seine Großeltern und Tanten dabei zu sein. Tief bewegt wohnte er sowohl der offiziellen Zeremonie am Rathaus als auch der eigentlichen Verlegung der Stolpersteine bei.

"Auch mein Vater und seine Eltern wurden von den Nazis ermordet. Nur zwei von uns überlebten den Holocaust, zwei Juden von vielen, heute gibt es 23 Brandwein-Nachkommen und noch mehr sind auf dem Weg. Und so wie die Terroristen von gestern zerstört wurden, werden auch die von heute zerstört", sagt der in Paris geborene und in New York lebende Moerdler, dessen Muttersprache Sächsisch geblieben ist.