Ein alter Champ ist wieder Mal am Ring

MOTORSPORT Stefan Bradl als "Fahrlehrer" beim Renntraining

Hohenstein-Ernstthal. 

Hohenstein-Ernstthal. Stefan Bradl ist mal wieder am Sachsenring. Der 30-jährige Bayer war hier im Rahmen der Motorrad-Weltmeisterschaft sowie zuvor der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft schon zig Male am Start. Diesmal umkurvte er den Ring allerdings etwas gemächlicher.

Auch an Renntrainings können Profi-Rennfahrern Spaß haben

Renntrainingsanbietern tingeln quer durch Europa von Rennstrecke zu Rennstrecke und machen gern auch Jahr für Jahr am Sachsenring Station. Solch ein Renntraining brachte aktuell auch Stefan Bradl en den Ring. "Vor etwa einem halben Jahr bin ich mit der Firma Racecamp in Kontakt gekommen und nun praktisch VIP-Gast. Ich wollte mal was Neues ausprobieren und so eine private Rennveranstaltung mitmachen. Da sich durch Corona in der jüngeren Vergangenheit vieles verändert hat, bin ich massiv froh, dass ich jetzt wieder ein paar Runden auf der Rennstrecke abspulen kann. Das tut natürlich auch mir gut und bereitet mir viel Spaß", so der aktuelle Honda-MotoGP-Testfahrer.

Sieg und Podestplätze auf dem Sachsenring

Auch wenn ihm das Streckenlayout des Sachsenrings nicht so recht zusagt, hat er gute Erinnerungen an den westsächsischen Grand-Prix-Kurs. Erstmals kam er 2003 auf den Sachsenring. Im Rennen des Red Bull Rookies Cup to MotoGP im Rahmen der IDM wurde er beim Sieg des Chemnitzers Toni Wirsing Zehnter. Ein Jahr später stieg er in die IDM 125 ccm auf und wurde als Teil des Red Bull KTM Juniorteams hier Achter. 2005 debütierte er beim Großen Preis von Katalonien in Barcelona in der 125-ccm-Klasse in der Motorrad-Weltmeisterschaft. Sein zweites WM-Gastspiel führte ihn dann zum Sachsenring, wo er als 16. seinen ersten WM-Punkt knapp verfehlte. Dies holte er beim darauffolgenden WM-Lauf im tschechischen Brno nach. Im September dieses Jahres gewann er auf dem Sachsenring das 125er-IDM-Rennen vorm Lokalmatador Patrick Unger und dem Wechselburger Georg Fröhlich. Mit diesem sowie zwei weiteren Saisonsiegen wurde Stefan Bradl am Jahresende IDM-Champion.

2006 und 2007 bestritt er zehn bzw. neun WM-Läufe. 2007 gewann er zudem die spanische 125er-Meisterschaft. Seine ersten WM-Punkte auf dem Sachsenring holte er als 13. ebenfalls 2007.

2008 schaffte er beim WM-Saisonauftakt in Katar als Dritter sein erstes WM-Podest, welchem er bei seinem Heimspiel auf dem Sachsenring als Zweiter ein weiteres folgen ließ. Wiederum beim darauffolgenden Rennen in Brno errang er seinen ersten Grand-Prix-Sieg. In der WM-Endabrechnung belegte er den vierten Rang.

Nach einem nicht ganz so erfolgreichen 125er-Jahr wechselte Stefan Bradl 2010 in die neu eingeführte und die altehrwürdige 250-ccm-Klasse ersetzende Moto2. In Portugal feierte er einen Sieg und wurde WM-Neunter. 2011 war dann sein ganz großes Jahr. Mit vier Saisonsiegen sowie sieben weiteren Podestplätzen, unter anderem ein zweiter Platz auf dem Sachsenring, konnte er sich am Saisonende als Weltmeister feiern lassen.

Danach erfolgte der Aufstieg in die Königsklasse MotoGP, wo er in seinem ersten Jahr beim Grand Prix der USA in Laguna Seca als Zweiter seinen ersten, allerdings auch einzigen Moto-GP-Podestplatz erreichte. Eine Woche zuvor hatte er solch einen auf dem Sachsenring als Vierter knapp verfehlt. Nach den WM-Endrängen acht, sieben und neun lief es ab 2015 nicht mehr ganz so gut für ihn in der MotoGP. 2016 war dann sein letztes Jahr als Full-Time-Pilot in der Königsklasse des Zweiradsports, doch auch danach bestritt er als Wild-Card- bzw. Ersatzfahrer noch den einen oder anderen Grand Prix. So zum Beispiel 2018 und 2019 auch auf dem Sachsenring, indem er jeweils verletzte Stammfahrer vertrat.

Als Ersatzmann gefragt

Auch daran erinnert er sich gern. "Im vorigen Jahr hat sich in der Woche vorm Sachsenring in Assen Jorge Lorenzo verletzt. Da war mir schon ziemlich klar, auf was das am Ende hinausläuft. Das war im Jahr zuvor mit Franco Morbidelli auch schon so." Dieser war mit einer Vorverwechslung angereist und versuchte es im ersten Training am Freitagvormittag, warf dann aber das Handtuch zu Gunsten von Stefan Bradl. "Dadurch war das im vorigen Jahr für mich praktisch eine gewohnte Situation und eine gewohnte Umgebung. Das war mit Platz zehn, wie zuvor in Jerez, mein bestes Rennen des Jahres. Im offiziellen Honda Werksteam zu fahren, war das Highlight für mich. Dass ich 2019 für Lorenzo fahren würde, war schon am Sonntagabend in Assen klar. Aber auch 2018, als Morbidelli anreiste und noch das erste Training fuhr, stand der Plan B bereits."

Strecke und Event sind zwei Paar Schuhe

Konfrontiert mit seiner Aussage von 2016, als er gesagt hatte, dass der Sachsenring als Rennstrecke öde und ein Schmarrn sei, gab er unumwunden zu: "Ich bin halt ein Typ, der manchmal sagt was er denkt. Ich war ja nicht der Einzige, der das oder Ähnliches gesagt hat. Der Sachsenring ist halt die kürzeste Strecke im Grand-Prix-Zirkus und bietet leider nicht viele Überholmöglichkeiten. Natürlich gibt es Leute, die den Sachsenring auch als Strecke lieben. Ich komme auch damit zurecht, aber wenn mich einer nach meiner Lieblingsstrecke fragt, werde ich nicht Sachsenring sagen. Warum soll ich lügen? Man fragte mich nach meiner Meinung zum Streckenlayout und ich habe geantwortet. Ich weiß den genauen Wortlaut nicht mehr und was genau wiedergegeben wurde. Das ist mir letztlich auch egal. Das Wichtigste ist, dass das absolut nichts mit dem Event als solchem, den vielen tollen Fans und der super Stimmung zu tun hatte. Es gibt nun einmal Typen, die einfach was sagen. Was will man haben? Irgendwelche Weichgespülten, die sagen was man hören will, oder einen der den Mund auf macht? Ich bin auch als MotoGP-Experte bei ServusTV keiner, der alle anhimmelt, sondern muss auch mal kritisch sein. Ich glaube, das ist damals vielleicht auch ein bisschen falsch aufgenommen worden. Dass ich dann als Buhmann dargestellt wurde, damit bin ich klar gekommen. Das hat mir aber nicht Mengen an positiver oder negativer Resonanz gegeben. Das ist dann auch ziemlich hochstilisiert worden."

Übrigens geht er auch mit anderen Strecken, wie dem Red Bull Ring oder dem neuen Kurs in Finnland hart ins Gericht. "Der Kymi-Ring ist eine totale Bananenstrecke. Der Kurs ist eine komplette Katastrophe. Noch langsamer und verwinkelter als alle anderen."