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Ein Mann, zwei Auto-Marken: August Horch starb vor 70 Jahren

MOTORSPORT Triebfeder des sächsischen Autobaus

Zwickau/Region. 

Die Schumannstadt und der Automobilbau können auf eine lange gemeinsame Tradition zurückblicken. Zunächst verhalfen Horch und Audi und später Sachsenring bzw. der Trabant der Stadt in Westsachsen zu Weltruf. Der Namensgeber und Firmengründer der beiden zuerst genannten Marken verstarb heute vor 70 Jahren, also am 3. Februar 1951.

Von der Mosel an die Zwickauer Mulde

August Horch erblickte am 12. Oktober 1868 in Winningen an der Mosel das Licht der Welt. Nach seinen Lehr- und Wanderjahren als Schmied ließ er sich schließlich am Technikum Mittweida zum Ingenieur ausbilden. Neben diversen Anstellungen in Unternehmen des Motorenbaus war er anschließend auch bei Benz in Mannheim tätig. Hier war er Leiter der Abteilung Motorwagenbau. Im November 1899 gründete er schließlich in Köln seine eigene Firma, die August Horch & Cie.

Die Reparatur von Motorwagen allein befriedigte August Horch jedoch nicht. Parallel konstruierte er sein erstes Automobil, mit dem im Januar 1901 die erste Probefahrt stattfand. Die Konstruktion war das eine, die Kapitalbeschaffung für die Produktion das andere. Nachdem auch die zweite Voraussetzung erfüllt war, verlegte August Horch seine Firma nach Reichenbach im Vogtland. Das Modell 2 produzierte in 2,5 Litern Hubraum ca. 5 PS und wies zahlreiche Innovationen auf. So zum Beispiel den stoßfreien Motor, bei dem die zwei Zylinder einen gemeinsamen Verbrennungsraum besaßen, oder auch den Kardanantrieb. Desweiteren beschleunigte August Horch sowohl den Einsatz von Leichtmetallen, wie auch von hochfesten Stählen im Automobilbau.

1904 wurden dann in Zwickau die idealen Produktionsstätten gefunden, so dass das Unternehmen erneut umzog. Gleichzeitig wurde es in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Im Zuge der ständigen technischen Weiterentwicklung ordnete August Horch als einer der Ersten die Ventile hängend an. Der Zwickauer Rechtsanwalt Dr. Stöß gewann mit solch einem Vierzylinder-Horch mit OHV-Motor 1906 die Herkomer Fahrt, eine der damals bedeutendsten Rennveranstaltungen.

Besonders in den Anfangsjahren des Automobilbaus wuchsen viele ursprüngliche Manufakturen dermaßen, dass bald neue Gesellschafterformen gefunden werden mussten. Doch viele Schöpfer von Automobilunternehmen zerstritten sich mit ihren Vorständen oder Aufsichtsräten. Auch August Horch erging es so.

Konkurrenz auf engstem Raum

Im Juni 1909 verließ er das Unternehmen. Bereits einen Monat später gründete er, ebenfalls in Zwickau, seine neue Firma, die August Horch Automobilwerke GmbH. Doch August Horch hatte es versäumt, seinen Namen schützen zu lassen, sodass alle Rechte bei der AG lagen. Somit war er gezwungen unter neuem Namen zu firmieren. Am 16. Juli 1909 ließ August Horch gleichlautende Automobilwerke GmbH ins Zwickauer Handelsregister eintragen. Da unter dem Namen Horch aber bereits ein Automobilunternehmen in der westsächsischen Stadt firmierte, musste noch ein neuer Name gefunden werden. Nach einer Vielzahl von Möglichkeiten, hatte dann der Sohn eines seiner engsten Mitarbeiter den geeigneten Namen parat. Dem kam bei der Latein-Paukerei die Idee: Horch kommt von hören und hören heißt im Lateinischen audi. Audi, so sollte das neue Unternehmen heißen und der Geburtstag ist auf den 25. April 1910 datiert worden.

August Horchs zweites Unternehmen konnte im Juli 1910 dann den ersten Audi ausliefern. Die Modellbezeichnung ging man wieder alphabetisch an, womit der erste Audi Typ A hieß. Dieser hatte einen Vierzylinder-Reihenmotor mit 2.600 ccm Hubraum und leistete 10/22 PS. Um nun auch die Marke Audi bekannt zu machen, ließ man auf Prospekten und Plakaten immer wieder den Namen des Chefs einfließen, und der hieß nach wie vor Horch. Das Ansehen, welches Horch-Automobile genossen, war sehr hoch und die neuen Audi-Wagen erlangten innerhalb kürzester Zeit ebenfalls einen sehr guten Ruf.

Dazu trugen auch die sportlichen Erfolge bei, die Audi-Tourenwagen vor allem bei den Internationalen Österreichischen Alpenfahrten feiern konnten. Das Ziel dieser rallyeartigen Härteprüfung sah alljährlich nur ein Bruchteil der Gestarteten, doch Audis waren stets darunter und zudem ganz vorn.

Um die Fahrzeugproduktion weiter zu steigern wurden weitere Investitionen nötig, doch die Finanzdecke des jungen Unternehmens war recht dünn. Abhilfe schaffte man dann 1915 durch die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Da August Horch auch mit seiner neuen Marke qualitativ hochwertige Automobile für die Oberklasse produzierte, war auch Audi, gemessen an den verkauften Einheiten, damals ein eher kleiner Hersteller.

Aus vier mach eins

Anfang der 1920er Jahre war Audi der erste Hersteller, der für den deutschen Rechtsfahrverkehr die Vorteile der Linkslenkung erkannte und einführte. 1928/29 übernahm der rührige DKW-Firmengründer Jörgen Skafte Rasmussen zunächst die Mehrheit und später das Gesamtpaket der Audi-Aktien.

Die Weltwirtschaftskrise ging auch an der Autoindustrie nicht spurlos vorüber. Firmenzusammenschlüsse gab es allerorts und 1932 dann auch einen bedeutenden in Sachsen. Vom Verschmelzen von Audi, DKW, Horch und Wanderer zur AUTO UNION, versprach man sich eine Konzentration der Kräfte und eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit. Zwar behielt jeder Hersteller sein Markenzeichen, sowie eine gewisse Eigenständigkeit, doch durch die Zentralisierung von Unternehmensleitung, Konstruktionsbüro und Versuchsabteilung konnten die gesteckten Ziele erreicht werden. Ebenfalls ließen die Standardisierung von Karosserie-, Fahrwerks- und Getriebeelementen die AUTO UNION binnen kürzester Zeit zur Nummer 2 der deutschen Automobilhersteller aufsteigen. Jeder der vier Hersteller profitierte von dieser Liaison.

Bei Audi stiegen die Zulassungszahlen von 53 Stück pro Jahr auf über 700. Dieser Ausstoß scheint zwar gegenüber dem von Opel, DKW oder Adler eher gering, doch sei nochmals angemerkt, dass Audi Fahrzeuge für einen erlesenen Kreis herstellte und nicht die breite Masse der Bevölkerung bediente oder bedienen wollte.

Natürlich profitierte auch Audi dabei auch von den großen sportlichen Erfolgen, die Hans Stuck, Bernd Rosemeyer, Achile Varzi und Tazio Nuvolari auf den AUTO-UNION-Rennwagen herausfahren konnten.

Großen Anteil am wirtschaftlichen und sportlichen Aufschwung der deutschen Autoindustrie hatte zweifelsohne das Nazi-Regime, doch 1939 war es mit der vorgetäuschten Herrlichkeit vorbei. Hitler und sein Krieg verwandelten Deutschland und seine einst blühenden Unternehmen in einen Scherbenhaufen.

Neubeginn im Westen Deutschlands

Während im Westen Deutschlands, dank des Marshall-Plans, der Wiederaufbau der Industrie vorangetrieben wurde, begannen die Sowjetrussen im Osten alles noch verwertbare abzubauen und als Reparationsleistungen ins eigene Land abzutransportieren. Der Großteil der AUTO-UNION-Konzernleitung hatte sich indessen in den Westen Deutschlands abgesetzt und versuchte hier wieder Fuß zu fassen. Dies geschah zunächst in Form eines Ersatzteildepots.

Im März 1947 wurde dann in Ingolstadt die AUTO UNION GmbH gegründet. In Chemnitz wurde dagegen gleichnamige AG aus dem Handelsregister gelöscht. Einige Ex-Vorstandsmitglieder der AUTO UNION unternahmen in den westlichen Besatzungszonen einen Neuanfang. In Ingolstadt ließ man jedoch lediglich DKW und später Audi in neuem Glanz erstrahlen, womit die Geschichte von Horch mit dem Zweiten Weltkrieg endete.

August Horch siedelte gleich nach dem Zweiten Weltkrieg, im Juli 1945, nach Oberfranken über. Eine Rückkehr in seine ursprüngliche Heimat Winningen verhinderte damals die französische Besatzungsmacht. In Anerkennung seiner Verdienste berief die neue in Ingolstadt gegründete AUTO UNION GmbH den 81-jährigen August Horch in den Aufsichtsrat. Am 3. Februar 1951 hörte sein Herz auf zu schlagen.