Ein Merbitz geht nicht hinten raus!

Vortrag Bernd Merbitz spricht in Werdau über Situation in Sachsen

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Bernd Merbitz hat nach der Ankunft der Flüchtlinge den Dialog vermisst. Foto: Frenzel

Werdau. Die Angriffe auf Unterkünfte von Flüchtlingen haben sich in den letzten beiden Jahren auf einem hohen Niveau bewegt. Sachsenweit tauchen 118 Fälle (2015) und 117 Straftaten (2016) in der Statistik auf. Die Zahlen nannte Bernd Merbitz.

Familienväter ohne Vorbestrafung werden zu Tätern

Der 61-Jährige, der Polizeipräsident in Leipzig ist, war am Mittwochabend zu einer Informations- und Gesprächsrunde im Martin-Luther-King-Zentrum in Werdau zu Gast. Er machte mit Blick auf die Täter deutlich: "Teile aus der Mitte der Gesellschaft fühlen sich berufen, etwas gegen Flüchtlinge zu unternehmen."

Oftmals wären berufstätige Familienväter an Angriffen auf die Unterkünfte von Flüchtlingen beteiligt. Der Polizeipräsident berichtete bei einem Blick in die Statistik, dass 46 Prozent der Täter im Vorfeld strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten wären.

Bernd Merbitz hat bei der Ursachenforschung, warum es vielerorts heftigen Protest gegen die Ankunft der Flüchtlinge gab, kein Blatt vor den Mund genommen. Zehntausende Menschen gingen mit Pegida auf die Straßen. Bei Informationsveranstaltungen hagelte es oft unsachliche Töne.

Keine Gesprächsangebote zu Zeiten von Pegida

Der Polizeipräsident machte deutlich, dass es damals zu wenig Gesprächsangebote gab. "Der politische Dialog hätte schon viel früher beginnen müssen. Aber: Wir kannten so eine Situation nicht", sagte Merbitz, der auch von den eigenen Erfahrungen bei einer Bürgerversammlung mit rund 300 Teilnehmern in Böhlen berichtete. Damals sei er mit Beleidigungen und Provokationen konfrontiert worden. Berater hätten ihm empfohlen, den Veranstaltungsort über einen Hinterausgang zu verlassen.

"Ich habe gesagt: Ein Merbitz geht nicht hinten raus. Welchen Eindruck sollen die Leute bekommen, wenn sich die Polizei zurückzieht", sagt Merbitz, der momentan das Operative Abwehrzentrum in ein Terror- und Extremismus-Abwehrzentrum umbauen soll.

Rund 30 Bürger lauschten den Ausführungen im Martin-Luther-King-Zentrum. Merbitz sprach fast zweieinhalb Stunden. Der Vortrag war ein Bestandteil der Tage der Demokratie und Toleranz mit dem Titel "Z17 - Komm mit!" im Landkreis Zwickau.