"Es ist wichtig, Haltung zu zeigen" - Adel Tawil im Interview

Konzert "Alles lebt" Tour macht Station in Zwickau

Adel, Du bist 41, in Berlin geboren. In Deinem Song "Wohin soll ich gehen" sprichst Du davon, dass der Wind sich gedreht hat. Spürst du das sehr?

Ja, auf jeden Fall. Man merkt das zum Beispiel auch an der Verrohung der Sprache. Das ist auch, was mir am meisten Angst macht, weil damit alles beginnt. Die Grenzen verwischen dadurch. Gerade für Musiker ist es wichtig, da Haltung zu zeigen und etwas dagegen zu setzen. Ich bin ja schon viel in Deutschland rumgekommen und ich bin überzeugt davon, dass die Mehrheit der Menschen nicht so ist, sondern weltoffen und tolerant. Aber diese Minderheit, die Hass verbreitet, gerade auch im Internet, ist extrem laut. Und da müssen wir als Künstler auch etwas dagegensetzen. Und ich musste dann auch dieses Lied singen, weil meine Schwester wirklich am helllichten Tage beschimpft worden ist und ihr niemand geholfen hatte.

Viele, die noch nie im Osten waren, haben die Bedenken, dass es hier nur Braune gibt.

Das ist genau mein Reden. Wir haben in den neuen Bundesländern unsere treuesten Fans und ich liebe auch die Städte wie Erfurt, Zwickau, Dresden und Leipzig. Es ist immer so, dass einige wenige es schaffen, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, wie es ja auch im Islam ist.

War es für Dich wichtig, auch neue Rhythmen in deine Musik zu bringen?

Ja, ich wollte den deutschen Pop ein bisschen modernisieren. Es sollte ein bisschen elektronischer und frischer klingen. Die Leute haben es mit Tu m'appelles richtig gut aufgenommen.

Mit Tu m'appelles hast du ein Zeichen für Europa gesetzt.

Ja, und ich habe auch schon geplant, für das nächste Album etwas auf Griechisch, Italienisch oder Spanisch zu machen. Damit sich das auch in den Köpfen verfestigt. Es wäre doch ein Traum, würden europäische Künstler zusammenarbeiten und Lieder in mehreren Sprachen in die Radios bringen. Das wäre meine Wunschvorstellung.

Auch, wenn alle guten Dinge angeblich drei sind, wird es doch garantiert nach deinem dritten auch noch weitere Alben geben?

Ja, natürlich. Ich sammele auch schon neues Material. Und ich werde auch von meinem Kind beeinflusst, weil es einfach inspirierend ist, einem Menschen beim Aufwachsen zuzusehen. Das ist Stoff für viele neue Songs.