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Haribo in Wilkau-Haßlau droht kalte Abwicklung

arbeit Betriebsübernahme weiter unklar

Wilkau-Haßlau. 

Wilkau-Haßlau. Ein möglicher Betriebsübergang der Haribo Wesa Wilkau-Haßlau an einen neuen Investor, der den Fortbestand des Süßwarenstandortes im derzeitigen Format sichert und zugleich die Beschäftigten übernimmt, ist mit immer mehr Fragenzeichen versehen. Sandte der Haribo-Konzerns Ende letzten Jahr noch Zeichen, es gäbe konstruktive Gespräche mit möglichen Investoren und eine zeitnahe Betriebsnachfolge sei möglich, hat der Konzern nun öffentlich erklärt, die Mitarbeiter seien gut beraten, sich nach einem neuen Job umzusehen. Folgerichtig verlassen Beschäftigte den Betrieb und bewerben sich woanders. Eine bewehrte Belegschaft bricht auseinander.

Hoffnung auf ein Wunder

"Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, drohen sich unsere Befürchtungen zu bewahrheiten und das Wesa-Werk in Wilkau-Haßlau und seine Beschäftigten werden kalt abgewickelt. Trotz aller Unterstützung und politischen Drucks knipst ein Konzern, der sich Familienbetrieb nennt, einfach mal so einen Betrieb aus. Und das nur, um den Gewinn zu steigern. Das ist eiskalter Kapitalismus. Eigentlich müsste in Politik und Gesellschaft nachgedacht werden, wie dem ein Riegel vorgeschoben werden kann", sagt Thomas Lißner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Der Gewerkschafter weiter: "Wir sollten uns nicht damit abfinden, dass Betriebe, die Gewinn abwerfen, über den Kopf der Beschäftigten hinweg geschlossen werden dürfen. Schließlich waren sie es, die über Jahre den Rücken krumm gemacht und das Vermögen der Familie Riegel erarbeitet haben. Warum können einige wenige Manager über das Schicksal hunderter Menschen und einer Region entscheiden? Diese Frage muss erlaubt sein."

Die NGG will die Hoffnung nicht aufgeben. Aber wenn nicht zeitnah eine Nachfolgelösung gelingt, wird es den Betrieb und seine Belegschaft nicht mehr geben und 100 Jahre Süßwarentradition in der Region sind vorerst beendet.

Hintergrund:

Nachdem Haribo am 6. November 2020, die Schließung des Standortes verkündete, erhielten die Beschäftigten viel Unterstützung. Ein Sozialplan und Interessenausgleich wurde abgeschlossen. Danach scheidet kein Beschäftigter vor April 2021 aus dem Unternehmen aus. Die Produktion wurde vor Weihnachten heruntergefahren, die Suche nach einem möglichen Nachfolger läuft.