Helmut Lotti: "Ich wurde mit Putin verwechselt"

Interview Weltstar im Interview über Entscheidungen seines Lebens

Helmut Lotti. Foto: Agentur

Zwickau. Der 48-jährige Belgier Helmut Lotti tritt am Mittwoch in der Stadthalle Zwickau auf. Neu ist nicht nur "The Comeback Album" sondern auch das Erscheinungsbild des Sängers. Ludmila Thiele sprach mit dem Künstler über die wichtigsten Entscheidungen seines Lebens.

Freie Presse: Sie haben in den letzten Jahren viele Entscheidungen treffen müssen. Welche waren die wichtigsten?

Helmut Lotti: Eine wichtige Entscheidung war es, zur Seite zu treten und dann nach acht Jahren wieder zurückzukommen. Das waren beides wichtige und richtige Entscheidungen.

Hatten Sie Angst, bevor Sie wieder auf die Bühne gegangen sind, dass sie nicht mehr genügend Fans haben?

Ja. Ich wusste, dass ich noch Fans habe, aber ich wusste nicht, ob es noch für ein großes Publikum reicht. Aber zum Glück hat sich gezeigt, dass mich noch viele Menschen sehen und hören möchten.

Zu Ihrem letzten Konzert in Zwickau haben Sie Swing mitgebracht. Was werden Sie am 20. Dezember in die Stadthalle mitbringen?

Ich werde bei der Comeback-Tour so viele wie möglich Titel aus meinem Comeback-Album spielen. Das ist der erste Teil. Im zweiten Teil werde ich dann Lieder aus meinen vorigen Alben spielen, die dem deutschen Publikum bekannt sind - es wird einige Pop-Klassiker und auch Elvis dabei geben. Begleitet werde ich dabei vom Golden Symphonical Orchestra. Wir stehen dann so zusammen auf der Bühne, wie wir es vor acht Jahren getan haben.

Sie sagten, dass sie am Anfang einer Tournee immer sehr aufgeregt sind und sich das erst im Verlauf der Tournee legt. Ist das immer noch so?

Ja. Jetzt habe ich mein Repertoire schon gut eingeprägt und ich weiß, dass wenig schiefgehen kann.

Sie haben im Alter von fünf Jahren angefangen, Englisch mit Elvis-Platten zu lernen. Wie haben Sie Deutsch gelernt?

Ich habe Deutsch in der Schule gelernt. Meine erste Sprache ist Niederländisch, als zweite Sprache hatte ich dann Englisch, als vierte Französisch und als viertes habe ich mich für Deutsch entschieden. In der Schule hatte ich die Grammatik und Vokabeln gelernt, aber so richtig angefangen mit Deutsch habe ich, als meine Karriere in Deutschland begann. Meine Grammatik ist nicht perfekt, aber es geht schon.

Und was waren Ihre ersten Worte auf Englisch?

Die ersten Worte waren: "Come on everybody and snap your fingers" von Elvis. Dadurch, dass es viele Ähnlichkeiten zwischen Englisch und Niederländisch gibt, erklärten sich einige Wörter. Dann musste ich nur noch meine Mutter fragen, was "everybody" heißt und so kannte ich meinen ersten englischen Satz. Zwei Jahre später wünschte ich mir dann das nächste Album von Elvis und bekam das Album zu dem Film "Flaming Star". Später folgte dann "Aloha from Hawaii". Als Elvis dann starb, wurde eines seiner Konzerte als Doppel-Live-Album aufgelegt, das ich dann von meiner Mutter geschenkt bekommen hatte, obwohl es mit 450 Belgischen Franken ziemlich teuer war. Dieses Album hatte ich dann aber auch hoch und runter gehört.

Jetzt haben Sie noch eine weitere Verbindung mit Elvis, da sie mit dem Plattenlabel RCA einen Vertrag haben.

Als meine erste Single in Belgien herauskam und ich dadurch erst gesehen hatte, dass meine Single genauso aussieht wie eine Single von Elvis, war ich total überwältigt und gerührt. Ich hatte gar nicht daran gedacht, dass ich auf dem gleichen Label wie Elvis bin.

Sie kommen aus einem musikalischen Zuhause. Wie kommt es, dass Sie keine musikalische Ausbildung haben?

Ich wollte eigentlich Radrennfahrer werden. Ich habe immer gerne und viel gesungen, aber es war für mich nur ein Spaß, weil es mir so leicht fiel. Ich dachte, dass ich damit nicht meinen Lebensunterhalt verdienen kann, weil ich mir keine große Mühe geben musste. Jetzt sehe ich aber, dass es ein großes Glück ist, dass sich das Singen nicht wie Arbeit für mich anfühlt.

Lieben Sie Weihnachten und die Gemütlichkeit?

Ja, Weihnachten ist für mich das schönste Fest im Jahr, weil es Familie, Freundschaft, Wärme und Gemütlichkeit bedeutet. Wir werden wahrscheinlich Truthahn gefüllt mit Kroketten essen. Manchmal holt meine Mutter auch ihr Akkordeon raus und wir singen ein paar Lieder, aber das ist eher eine Ausnahme. Das Akkordeon hatte meine Mutter schon mit 7 oder 8 Jahren. Ursprünglich gehört das Akkordeon meinem Großvater, nach dessen Tod bekam meine Mutter es aber von ihrer Mutter geschenkt. Es war ein bisschen kaputt, aber ich habe es komplett restaurieren lassen.

Während Ihrer Auszeit von der Bühne haben Sie privat viele Veranstaltungen und Konzerte besucht. Wurden Sie dabei angesprochen?

Erkannt wurde ich, aber die Leute haben mich meistens nicht angesprochen. Es war wirklich sehr interessant für mich, andere Musikrichtungen anzuhören. Ich habe dadurch auch gemerkt, dass es sonst niemanden gibt, der mit so einem Orchester solche Musik wie ich bringt - es gibt klassische Sänger, es gibt Popsänger, aber niemand sonst liegt dazwischen. Ich meine damit nicht, dass ich so gut bin, aber es ist etwas Einmaliges. Als ich die acht Jahre weg war, gab es auch niemanden, der meinen Platz eingenommen hatte.

Und ist es für Sie angenehm, wenn Sie angesprochen werden?

Es kommt immer auf die Situation an. Aber wenn jemand zu mir höflich ist, bin ich es natürlich auch. Ich kann es ja vollkommen verstehen, dass es etwas Besonderes ist, wenn man eine Sänger oder eine Sängerin sieht. Mir geht es genauso, wenn ich bestimmte Menschen sehe - zum Beispiel aus dem Rennradsport.

Wurden Sie schon mal mit Wladimir Putin verwechselt?

Ja, das ist mir schon einmal am Flughafen passiert. Eine Frau hatte mich mit ihm verwechselt. Wir standen gerade am Kofferband, als meine Jacke mit einem Stück Kaninchenfell am Kragen, kam und ich sie nahm. Dann sagte ich der Frau, dass ich Putin bin und das das Fell des letzten Bären ist, den ich geschossen habe.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Es klingt zwar banal: aber dass alles so bleibt, wie es gerade ist. Mir geht es zurzeit gut und ich hoffe, dass ich auch weiterhin gesund bleibe.