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Hommage an Gustav Havel

MOTORSPORT Ehemaliger Sachsenring-Sieger wäre heute 90 geworden

Hohenstein-Ernstthal. 

Hohenstein-Ernstthal. Am heutigen 27. August wäre der tschechische Motorradrennfahrer Gustav Havel 90 Jahre alt geworden. Er bildete in den 1960er-Jahren zusammen mit seinem Landsmann Frantisek Stastny das durchaus schlagkräftige Jawa-Duo in der Motorrad-Weltmeisterschaft. Auf dem Sachsenring gewann Gustav Havel beim fünften Nachkriegsrennen die 500-ccm-Klasse und stand zudem in der ersten WM-Ära hier drei weitere Male auf dem Podest.

Vom Privat- zum Jawa-Werksfahrer

Geboren wurde Gustav Havel am 27. August 1930 in Repy bei Prag. Sein erstes Rennen bestritt er 1947 mit einer 100-ccm-Jawa-Robot, doch war ihm dieses Motorrad bald nicht mehr schnell genug. Zusammen mit seinem älteren Bruder Jiri baute der gelernte Flugzeugmechaniker aus verschiedenen Einzelteilen ein stärkeres Motorrad, doch am Ende kaufte er sich schließlich eine 250er-Jawa, mit der er 1949 beim Grand Prix der Hauptstadt Prag in der Klasse der Serienmaschinen antrat. Dieser Marke sollte er stets treu bleiben.

Im selben Jahr stand er als Zweiter beim Rennen in Usti nad Labem erstmals auf dem Podest.

1952 wurde er beim Großen Preis von Brno nach einem spannenden Duell mit Antonin Vitvar Zweiter, woraufhin er Jawa-Werksfahrer wurde. Somit hatte er 1953 auf dem Sachsenring einen seiner ersten internationalen Einsätze, den er, wie bereits erwähnt, mit einem Sieg krönte.

Als 1954 erstmals eine nationale Meisterschaft ausgetragen wurde, gewann Gustav Havel auf Anhieb die Halbliterklasse. Schon 1956 feierte er seinen zweiten Titel, diesmal in der Klasse bis 350 ccm, in der er auch in den kommenden Jahren die meisten seiner großen Erfolge feiern sollte.

Nachdem er 1957 auf dem Sachsenring nach dem Rennen der 350-ccm-Klasse als Dritter erneut auf dem Podest stand und 1959, parallel zu Solorennen, als Beifahrer von Ladislav Stajner als tschechoslowakischer Meister bei den Seitenwagen in die Geschichte einging, holte er sich 1960 einen weiteren nationalen Titel bei den 350ern.

Erfolge in der Motorrad-Weltmeisterschaft

1961 intensivierte Jawa sein Engagement in der Motorrad-Weltmeisterschaft. Zwar debütierte Gustav Havel bereits 1956 im niederländischen Assen in der WM und kam auch danach noch zu sporadischen Einsätzen, doch richtig los ging es auch für ihn erst 1961. Das erste Saisonrennen der Klasse bis 350 ccm fand in Hockenheim statt, welches sein Landsmann und Teamkollege Frantisek Stastny gewann und Gustav Havel Zweiter wurde. Danach ging es weiter zur englischen und der niederländischen Tourist Trophy auf der Isle of Man bzw. in Assen, wo für Gustav Havel mit den Plätzen 27 und acht nichts Zählbares heraussprang. WM-Punkte erhielten damals nur die ersten sechs. Beim für die 350er anschließenden Großen Preis der DDR auf dem Sachsenring verfehlte er beim Sieg des Rhodesiers Gary Hocking als Vierter das Podest nur knapp. Im italienischen Monza stand er danach als Dritter sowie im schwedischen Kristianstad als Zweiter zwei weitere Male auf dem Podium und wurde in der Gesamtwertung hervorragender Dritter. Es sollte seine beste Platzierung in der Weltmeisterschaft bleiben.

Meiste WM-Podestplätze auf dem Sachsenring

Ein Grand-Prix-Sieg blieb Gustav Havel zwar verwehrt, doch brachte er es in seiner weiteren WM-Karriere immerhin auf insgesamt neun Podestplätze. Von denen feierte er allein drei auf dem Sachsenring. So wurde er in den 350er-Rennen 1964 auf seiner Jawa hinter dem Rhodesier Jim Redman auf Honda Zweiter, 1965 auf einer Jawa-CZ hinter Jim Redman und dem britischen MZ-Fahrer Derek Woodman Dritter sowie 1966 hinter dem Italiener Giacomo Agostini und Frantisek Stastny noch einmal Dritter. Weitere dritte Plätze erreichte er 1964 und 1965 in Ulster in Nordirland sowie ebenfalls 1965 auf dem Nürburgring. Diese internationalen Erfolge garnierte er 1964 und 1966 mit zwei weiteren nationalen Titeln in der Klasse bis 350 ccm.

In der WM-Gesamtwertung fuhr er mit den fünften Rängen 1963, 1964 und 1966 bei den 350ern sowie ebenfalls 1966 in der Halbliterklasse als Vierter vordere Platzierungen ein, wozu angemerkt sei, dass Jawa damals nicht bei allen WM-Saisonrennen antrat.

Zu gern wäre er auch bei seinem Heim-GP in Brno, welches sich seit 1965 im WM-Kalender befand, aufs Podest gefahren, doch war ihm das nicht vergönnt. 1967 belegte er hier hinter dem Briten Mike Hailwood auf Honda sowie den beiden MZ-Werksfahrern Heinz Rosner und Derek Woodman "nur" den vierten Platz. Am 30. Dezember 1967 verunglückte der "Verdiente Meisters des Sports" Gustav Havel bei einem Verkehrsunfall mit dem Motorrad tödlich.

Gustav Havel und die 300 Kurven

Wenngleich sein jahrelanger Teamkollege Frantisek Stastny noch etwas erfolgreicher war, so ist nach Gustav Havel bis heute eine Rennveranstaltung benannt - die "300 Zatacek Gustava Havla" in Horice v Podkrkonosi.

Die Geschichte dieses beliebten internationalen Motorradrennens reicht bis ins Jahr 1936 zurück. Die übliche Renndistanz betrug einst zwölf Runden, in denen die Fahrer auf der kurvenreichen Berg- und Talbahn 30 Kilometer östlich von Mlada Boleslav 312 Kurven zu meistern hatten. Nach einer kleinen Pause wurde das Rennen der abgerundeten 300 Kurven in Horice 1961 wieder aufgenommen. Nur wenige Tage nachdem der mehrfache Sieger hier tödlich verunglückt war, beschloss der Vorstand des AMK Horice bei einer außerordentlichen Sitzung am 4. Januar 1968 mit Zustimmung von Gustav Havels Ehefrau Eli, das Rennen dauerhaft als die "300 Kurven des Gustav Havel" zu bezeichnen.

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