"Ich bin gerne Oberbürgermeisterin"

Interview zum Jahreswechsel mit Pia Findeiß

Zum Jahreswechsel sprach der Zwickauer BLICK mit Oberbürgermeisterin Pia Findeiß über das zu Ende gegangene und das kommende Jahr.

Frau Dr. Findeiß, wie feierte man im Hause Findeiß Weihnachten?

Am Heiligabend ganz traditionell zu Hause mit der Familie, die ja inzwischen mit Schwiegertochter und Enkelkind etwas größer wurde. An den Feiertagen machen mein Mann und ich Ausflüge. Ansonsten hatte ich Dienst. Nicht nur im Büro, sondern ich war "Diensthabende", das heißt, dass mich - zu welcher Uhrzeit auch immer - die Feuerwehr anruft, wenn besondere Notfälle eintreten.

Sie hatten sicher Zeit, das Jahr Revue passieren zu lassen. War 2015 ein gutes Jahr für Zwickau?

Im Großen und Ganzen: Ja. 17 Straßenbaumaßnahmen, die Sanierung von Kitas, der Neubau eines Hortes, die Sporthalle in Oberhohndorf und die Galerie am Domhof belegen dies beispielhaft. Wichtig war auch die Verlängerung des Theatergrundlagenvertrages.

W obei zuletzt geringere Steuereinnahmen und die Flüchtlingsproblematik die öffentliche Diskussion bestimmten …

Beide Themen werden uns auch 2016 beschäftigen. Für den Haushalt werden wir Einnahmen und Ausgaben auf den Prüfstand stellen müssen, wobei unsere finanzielle Situation immer noch besser ist als in etlichen anderen Städten Deutschlands. Der Zuzug und die Unterbringung von Asylbewerbern ist ohnehin die größte kommunalpolitische Herausforderung seit 1990.

Was sagen Sie zu der Forderung, den Zuzug von Asylbewerbern zu begrenzen.

Als kreisangehörige Stadt haben wir die gesetzliche Pflicht, Asylbewerber aufzunehmen und bei der Unterbringung mitzuwirken. Für mich ist es - wie für viele Mitbürger - außerdem eine humanitäre Pflicht, den Flüchtlingen zu helfen. Fast täglich sehen wir doch die erschreckenden Bilder aus den Krisenregionen dieser Welt.

Nein - ich bin immer noch gerne Oberbürgermeisterin. Kritische Themen und Aufgaben gab es immer - schon zu meiner Zeit als Sozialbürgermeisterin. Diesen muss man sich stellen. Und gerade bei der Asylfrage gibt es viele hoffnungsvolle Zeichen. Gerade die Welle der Hilfsbereitschaft beeindruckt mich immer wieder. Dass ich mir bei den Skeptikern und Gegnern mehr Sachlichkeit und vor allem mehr Offenheit wünsche, versteht sich.

Haushalt und Flüchtlingsunterbringung sind aber sicher nicht die einzigen Themen des neuen Jahres, oder?

Keineswegs. Schon jetzt gibt es tolle Projekte und Vorhaben. Der Hort in der Amalienstraße wird beispielsweise fertig und die Sanierung der Scheffelbergschule abgeschlossen. Ab Sommer haben wir ein modernes Stadion und mit der Erweiterung steigt unser August Horch Museum endgültig in die europäische Liga der Automuseen auf. Natürlich können wir uns auf eine Reihe interessanter Veranstaltungen freuen, die vom Stadtfest über Zwikkifaxx bis hin zum Schumann-Wettbewerb reichen. Wichtige Aufgaben sind die weitere Belebung der Innenstadt oder das neue Wirtschaftsförderkonzept. Und wir werden weiterhin den Dialog mit den Bürgern suchen - bei den regelmäßigen Einwohnerversammlungen etwa oder bei den Infoveranstaltungen zu den Asylbewerberunterkünften.

Welche Wünsche haben Sie?

Den Zwickauerinnen und Zwickauern wünsche ich vor allem Glück und Gesundheit. Uns allen wünsche ich, dass wir offen, sachlich und konstruktiv daran arbeiten, dass unsere Stadt lebens- und liebenswert bleibt. msz/mam