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"In dieser DDR wirst du nicht sterben"

Interview Frank Stahn spricht über seine Wendeerfahrungen

Crimmitschau. 

Crimmitschau. Frank Stahn ist Vorsitzender des Interessenverbandes der Selbstständigen in Crimmitschau. Holger Frenzel sprach mit ihm über die Wende-Zeit.

Wie erinnern Sie sich an den 9. November 1989?

Tagsüber war ich ganz normal arbeiten und hab sicher das bevorstehende Wochenende im Kopf gehabt. Ich war "frisch verliebt" wie man so sagt, in meine heutige Ehefrau, die Kilometer weit weg wohnte. Sehr spät abends habe ich die Nachrichten gesehen, im "West-Fernsehen", hab das aber nicht so verstanden, dass man sofort zu Besuch in den Westen darf, sondern alle die ständig ausreisen wollen, könnten sofort gehen. Am 10. November habe ich das erst im Betrieb richtig kapiert, denn eine ganze Menge Kollegen waren einfach nicht zur Arbeit gekommen, sondern auf Westausflug.

Wissen Sie noch, was Sie sich von den 100 Mark Begrüßungsgeld gekauft haben?

Eine "günstige" Hifi-Anlage, die aber nicht sehr lange funktionierte.

Gibt es etwas, das Sie seit der Wende vermissen?

Die Nähe zu meiner elterlichen Familie. Meine Geschwister und Eltern sind alle recht bald wegen der Arbeit nach Bayern gezogen. Meiner Mutter musste ich immer versprechen, sollte sie einmal sterben, sorge ich dafür, dass sie zurück nach Crimmitschau kommt. Was ich ihr leider schon vor einigen Jahren erfüllen musste.

Was hat die Wende für Sie persönlich gebracht?

Einen völlig anderen beruflichen und persönlichen Lebensweg. Am 2. Januar 1990 fing ich im Rathaus Crimmitschau als Kulturchef an und hab mehr als 10 Jahre einen ziemlich guten Job gemacht, bis ich mich selbstständig machte. Ende 1988 hatte ich für mich entschieden "in dieser DDR wirst du nicht sterben - du musst irgendwann weg hier". Zum Glück konnte ich bleiben, denn dieses Land ging weg.



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