Interview: Atemschutzmasken - Zwickauerinnen nähen für die Gesundheit

Gespräch Stephanie Thieme und Daniela Beck erzählen

Zwickau. 

Zwickau. In Zeiten der Coronakrise fehlt es vor allem an Atemschutzmasken. Der 25-jährigen Stephanie Thieme aus Zwickau ist eine Initiative zu verdanken, bei der private Personen Atemschutzmasken nähen. Über Facebook hatte die junge Frau zur Näh-Initiative aufgerufen und großen Zuspruch erfahren. Im kleinen Laden von Frau Wundervoll in Zwickau produzieren sie, mit Abstand jede in einem separaten Raum, bunte, schwarze, kleine und große Atemschutzmasken. Und jede für sich wird mit viel Liebe gemacht. Bereits 100 Stück wurden schon seit Freitag an Privatpersonen, ein Pflegeheim und andere ausgeliefert Viele Menschen spenden jetzt schon Stoff und Garn. Auch Dorit Naumann, die Schneidermeisterin des Theaters Plauen Zwickau, macht mit.

BLICK-Reporter Ralph Köhler hat zwei der Damen zum Interview getroffen. Stephanie Thiem aus Zwickau ist 25 Jahre alt und hat die Initiative über Facebook ins Leben gerufen.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Ich hab in einer Facebook-Gruppe gesehen, dass Frauen selbstständig Mundschutz nähen aus Stoffen, die sie zu Hause haben oder die gespendet wurden.Ich habe einen Aufruf gemacht in der "Suchen und Finden für Zwickau"-Gruppe und habe eine riesengroße Resonanz bekommen von Mädchen und Jungs, die uns helfen für den Landkreis Zwickau, aber auch für weitere Standorte Mundschutz selber zu nähen zu Hause. Das Team macht das nebenbei, während ihres Vollzeitjobs, neben der Familie zu Hause und während allem anderen. Und sie sind da aktuell sehr gut ausgelastet.

Wann habt ihr damit angefangen?

Das war am Freitag, von jetzt auf gleich ging es sofort los.

Wie viele Masken habt ihr bislang genäht?

Fast 100. Wir sind ungefähr 15 Näherinnen aktuell und jeder arbeitet halt das, was sie kann dazu.

Ihr habt die Masken schon ausgeliefert, wohin?

Wir haben aktuell an Privatpersonen ausgeliefert. Aktuell sind wir dabei für Netto und für Pflegeheime zu nähen. Fürs Uniklinikum Leipzig haben wir auch Aufträge. Die Lieblingsschwester aus Eckersbach haben auch angefragt. Wir müssen nur noch an die Maschine und los.

Wie kann man euch unterstützen?

Unterstützung suchen wir von Leuten, die Stoff spenden, aber wir suchen auch gerne noch Näherinnen oder Näher, die die Zeit haben und uns helfen möchten. Die vor allem auch die Zeit haben für dieses Projekt. Das wäre eine große Hilfe für uns.

Wo kann man sich melden?

Melden kann man sich bei Daniela Beck (Telefon: 0173/7752972) oder bei mir, entweder per Facebook oder unter der Telefonnummer. Man braucht eine Nähmaschine und ein bisschen Erfahrung. Die Schnittmuster bekommt man dann von den Mädels zugesendet. Stoffe und Zubehör spenden unter anderen Sandy Wendler von Fräulein Wundervoll, da wurde auch ein Rabattcode rausgegeben für Leute, die spenden wollen. Das Geschäft ist in der Karl-Marx-Straße 8 in Zwickau. Unter anderem spendet auch die Theaterschneiderei Zwickau. Da macht das Dorit Neumann, sie näht auch fleißig mit. Und wer gerne spenden möchte, ist auch herzlich willkommen. Wir wollen auch die Kleinunternehmer mit unterstützen, dass sie auch etwas davon haben in der schwierigen Lage.

Interview mit Daniela Beck

Daniela Beck aus Zwickau ist 38 Jahre alt und eigentlich hauptberuflich Tätowiererin. Doch seit den vergangenen Tagen ist sie Helferin, Näherin und Koordinatorin des Projektes von Daniela.

Warum hilfst du bei den Näharbeiten?

Warum ich das mache? Ich engagiere mich grundsätzlich in vielen sozialen Projekten, bisher viel im Tierschutzbereich. Aber momentan muss ich mein Geschäft schließen, ich bin hauptberuflich Tätowiererin, darf nicht arbeiten und brauche quasi eine Beschäftigung und mache das sehr gern.

Wie viele Masken habt ihr schon genäht?

Also ich selber habe effektiv um die 25 Masken genäht. Aber insgesamt sind es um die 100 Masken seit Freitag.

Wie lange braucht eine Anfängerin für eine Maske?

Eine Anfängerin braucht in etwa mit Zuschneiden eine gute halbe Stunde. Aber wenn man fit darin ist, ist eine Maske in zehn Minuten genäht. Wenn man dran bleibt, schafft man das auch.

Du musstest dein Geschäft schließen, wie gehst du als Selbstständige damit um, wie geht es weiter?

Also ich bin ein Mensch, der immer positiv denkt. Es ist sehr schwierig jetzt in der Situation. Ich meine, einen Monat lang kein Geld auf dem Konto ist schon eine Sache für sich. Es zeigt sich aber trotzdem noch, wie alle so ein bisschen zusammenhalten. Ich finde, das ist das Gute an der Krise. Aber ansonsten geht es mir nicht so richtig gut. Das Geschäft zu schließen ist schon ein bisschen Mist, aber meine Kunden sind alle verständnisvoll.

Was macht man in seiner neuen Freizeit so, außer Masken nähen?

Also momentan kümmert man sich einfach um Dinge, die im Geschäft oftmals liegen bleiben, die man im Tagesgeschäft nicht schafft. Das sind zum Beispiel Buchhaltungsdinge oder Aussortierungsarbeiten. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich ein kleines Kind zu Hause habe im Alter von zweieinhalb Jahren. Die Kita ist zu, das ist dann die andere Herausforderung, also beschäftigt bin ich momentan sehr.