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Jan de Vries: Der ewige Rekordhalter auf dem Sachsenring

MOTORSPORT Doppel-Weltmeister drehte schnellste 50er-Runde aller Zeiten

Sachsenring. 

Sachsenring. Am 14. Januar 2021 und somit nur wenige Tage nach seinem 77. Geburtstag am 5. Januar verstarb Jan de Vries in Folge eines Herzstillstands (BLICK berichtete). Der kleingewachsene Niederländer war in seiner aktiven Karriere 1971 und 1973 Motorrad-Weltmeister der 50-ccm-Kategorie, der damals kleinsten Hubraumklasse. Bei den WM-Läufen auf dem Sachsenring stand er aber nur einmal auf dem Podest (1971 als Zweiter hinter dem Spanier Angel Nieto).

Beim letzten Weltmeisterschaftslauf auf dem alten 8,618 Kilometer langen Kurs 1972 sah er zwar keine Zielflagge, drehte aber in 3:41,2 Minuten die schnellste Rennrunde. Mit dieser hatte er die 140-km/h-Schallmauer für die sogenannte Schnapsglasklasse durchbrochen und einen Rekord für die Ewigkeit aufgestellt. Bis 1988 wurden auf dem Sachsenring Rennen für die Klasse bis 50 ccm ausgetragen, doch an diesen Schnitt kam kein anderer Fahrer jemals heran.

Nach seiner aktiven Karriere war er regelmäßiger Gast und Teilnehmer an Klassik-Veranstaltungen auf dem Sachsenring oder auf dem Zschorlauer Dreick beim 1. Auer MSC. Grund genug, den sympathischen Rennfahrer aus Purmerend noch einmal etwas eingehender zu würdigen.

 

Schneller Aufstieg

 

Jan de Vries erblickte am 5. Januar 1944 im niederländischen Sint Jacobiparochie das Licht der Welt. Trotz großer Erfolge war seine Karriere ziemlich kurz.

Jan Huberts, Cees van Dongen und Paul Lodewijkx waren die holländischen Vorreiter bei den 1962 eingeführten 50-Kubikern als WM-Klasse, doch der erste Weltmeister aus dem Land der Tulpen war Jan de Vries auf einer deutschen Kreidler.

Sein erstes WM-Rennen bestritt der niederländische Meister von 1967 am 29. Juni 1968 bei seinem Heimrennen, der Dutch TT auf dem Circuit van Drenthe in Assen. Als Vierter hinter Paul Lodewijkx, Hans-Georg Anscheidt und Aalt Toersen sammelte er sogleich seine ersten Punkte.

1969 bestritt er sein erstes komplettes WM-Jahr und schaffte beim Saisonauftakt im spanischen Jarama sein erstes Podium. Hinter seinem Landsmann Aalt Toersen und dem Spanier Angel Nieto wurde er damals Dritter. Fünf weitere Male fuhr er in jenem Jahr noch aufs Podest und war am Jahresende Gesamtvierter.

1970 war für ihn ein eher durchwachsenes Jahr. Zwar errang er beim Großen Preis der Nationen im italienischen Monza seinen ersten Grand-Prix-Sieg und stand drei weitere Male auf dem Podest, doch einige Ausfälle ließen nicht mehr als Gesamtrang fünf zu. Bei seinem Heimrennen bestritt er seinen einzigen GP in der 125-ccm-Klasse und fuhr dabei auf einer MZ als Siebenter in die Punkte. Ansonsten blieb der Holländer mit der Jockey-Figur der Schnapsglasklasse und der Marke Kreidler treu.

 

Erster WM-Titel

 

1971 war das ganze Gegenteil zur vorangegangenen Saison. Nach Siegen auf dem österreichischen Salzburgring, in Hockenheim, in Spa-Francorchamps in Belgien, im italienischen Monza sowie in Jarama wurde er Weltmeister. Dabei verwies er den übermächtig scheinenden Angel Nieto, damals bereits zweifacher und später insgesamt 13-facher Weltmeister, auf Gesamtrang zwei. Gleichzeitig ging er als erster niederländischer Weltmeister in die Motorrad-WM-Geschichte ein.

1972 gewann Jan de Vries drei Grand Prix, und zwar auf dem Nürburgring, in Imola in Italien und im schwedischen Anderstorp. Am Jahresende hatten er und sein Dauerrivale Angel Nieto gleich viele Punkte auf dem Konto - total, wie auch unter Berücksichtigung der Streichresultate. Beide hatten gleich viele Siege errungen und jeder zwei zweite Plätze herausgefahren. Auch die dritten Plätze brachten keine Differenzierung, hatten beide doch keinen davon vorzuweisen. Somit musste die Gesamtfahrzeit der fünf Grand Prix, bei denen beide ins Ziel kamen, den Ausschlag geben. Die kumulierten Gesamtfahrzeiten von 2:27:26,29 Stunden zu 2:27:47,61 ergaben schließlich, dass Angel Nieto als Weltmeister des Jahres 1972 gekürt wurde und Jan de Vries sich mit 21,31 Sekunden Rückstand mit dem Vizetitel begnügen musste. Als kleine Entschädigung durfte er sich in jenem Jahr über seinen zweiten nationalen Titel freuen.

Frühes Karriereende

 

1973 war die Angelegenheit zu Gunsten von Jan de Vries eindeutig. Bei zwei der sieben Saisonrennen kam er nicht ins Ziel, was nicht weiter tragisch war, gab es doch drei Streichresultate. In Monza, Opatija in Jugoslawien, Spa-Francorchamps, Anderstorp und Jarama gewann er schließlich, so dass sogar ein Sieg dem Rotstift zum Opfer fiel. Mit dem Punktemaximum 60 (für einen Sieg gab es damals 15 Zähler) feierte er seinen zweiten WM-Titel in überlegener Manier vor seinem Teamkollegen Bruno Kneubühler aus der Schweiz. Am Saisonende beendete er als erst 29-Jähriger seine Laufbahn in der Motorrad-WM.

Insgesamt gewann Jan de Vries 14 WM-Läufe, jedoch nie seinen Heim-GP in Assen. Dazu feierte er 13 weitere Podestplätze.

Nach seiner aktiven Karriere arbeitete er noch einige Jahre für Van Veen als Tuner von Kreidler-Motoren und war später ein gern gesehener Gast bei allen möglichen Klassik-Veranstaltungen - so auch in Sachsen.

 



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