Kunstgewerbe statt Däumchen drehen

Historie Freie Berufswahl war zu DDR-Zeiten eingeschränkt

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Für eine Pyramide brauchen Lutz und Inge Richtsteiger einige Wochen für die Fertigung. Foto: Nicole Schwalbe

Wildenfels. "Jahrelang war das unser Beruf, nun sind wir Rentner und betreiben unsere Kunst nur noch als Hobby", sagt Lutz Richtsteiger. Schon zu DDR-Zeiten haben er und seine Frau Inge erzgebirgische Holzschnitzkunst mit Leidenschaft ausgeübt. "Mein Mann hat schon Ende der 70er Jahre gerne gedrechselt und so wurde schnell mehr daraus", erinnert sich Inge Richtsteiger.

Viele Wochen Arbeit

Während Lutz Richtsteiger die filigranen Figuren und Pyramidenteile ausgesägt hat, hat seine Frau die fertigen Teile angemalt. "Für eine Pyramide brauchen wir schon einige Wochen, darum stellen wir auch nur zwei bis drei Stück pro Jahr her", sagt Inge Richtsteiger. Die Kunstgegenstände durften aber nur über einen offiziellen Kunsthandel verkauft werden. Damit haben die beiden Holzkünstler zu DDR-Zeiten nur kostendeckend arbeiten können, denn viel wurde für ihre Kunst nicht bezahlt.

Nur noch auf regionalen Märkten zu sehen

Der Mauerfall ermöglichte es den beiden, ihre Firma "EH Kunstgewerbe" 1990 als eigenes Gewerbe anzumelden. Produziert haben sie ganzjährig für das Osterfest und auch für Weihnachten. Bis vor drei Jahren hat das Paar ihr Gewerbe betrieben, dann haben sie es umständehalber aufgegeben. "Mein Mann wurde sehr krank und so haben wir es einfach nicht mehr geschafft und das Gewerbe abgemeldet", sagt Inge Richtsteiger. Seitdem es Lutz Richtsteiger wieder besser geht, drechselt der 75-Jährige wieder. "Als Rentner kann ich nicht den ganzen Tag lang Däumchen drehen", gesteht Richtsteiger. "Mit unseren Kunstgegenständen gehen wir aber nur noch auf regionale Märkte", verrät Inge Richtsteiger.