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Nach Karriereschwankungen heute Jubilar

MOTORSPORT Kris Nissen feiert seinen 60. Geburtstag

Hohenstein-Ernstthal. 

Hohenstein-Ernstthal. Mit Kris Nissen feiert heute ein Mann seinen 60. Geburtstag, der zu Beginn der zweiten Sachsenring-Ära Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre mehrfach auf dem Sachsenring am Start und dabei auch erfolgreich war. Nach den beiden Läufen der STW (Super Tourenwagen) 1999 stand er hier gleich zwei Mal auf dem Podest.

Auf dem Weg in die Formel 1 fast verbrannt

Kris Nissen wurde am 20. Juni 1960 in Arnum im Südwesten Dänemarks geboren und begann seine Karriere 1974 im Kart. Zweimal gewann er dabei die Dänische Kart- sowie auch die Formel-Ford-Meisterschaft. Natürlich war auch sein Ziel die Formel 1, dem er über den Gewinn der Deutschen Formel-3-Meisterschaft 1986 in einem Ralt RT30 Volkswagen ziemlich nahe kam. Der VW-Konzern sollte in seinem Laben noch eine gewichtige Rolle spielen.

1987 war er für das deutsche Zakspeed-Team Formel-1-Testfahrer und bestritt parallel Rennen zur Sportwagen-WM. Solch ein Bolide wurde ihm am 22. Juli 1988 im japanischen Fuji beinahe total zum Verhängnis, als er bei einem Feuerunfall mit einem Porsche 962 der Gruppe C fast verbrannte. Nach drei Minuten im Flammeninferno konnte er glücklicherweise gerettet werden, erlitt jedoch starke Verbrennungen, die ihm zum Teil bis heute sprichwörtlich ins Gesicht geschrieben stehen.

Zurück im Leben, zurück im Cockpit

Doch Kris Nissen kämpfte sich zurück ins Leben und auch ins Cockpit. Bereits ein Jahr später bestritt er sein erstes Rennen nach der Beinahe-Katastrophe, als er für BMW bei der DTM (Deutsche Tourenwagen Meisterschaft) auf dem Norisring in Nürnberg an den Start ging.

1991 feierte er einen seiner größten Erfolge, indem er gemeinsam mit Joachim Winkelhock und Armin Hahne in einem BMW M3 das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gewann. Auf dem Norisring feierte er 1994 in einem Alfa Romeo 155 V6 Ti auch seinen einzigen Sieg in der DTM.

Da die inzwischen kostenmäßig ausufernde DTM bzw. der ITC (International Tourenwagen Championship) allmählich dem Untergang (Ende 1996) geweiht war, wechselte auch Kris Nissen in die deutlich kostengünstigere STW (Super Tourenwagen Meisterschaft). Hier pilotierte hier zunächst einen Ford Mondeo. Ein weiteres Jahr später, 1996, wechselte er innerhalb der Serie zum Audi-Team ABT Sportsline. Die Saison beendete er auf dem 13. Gesamtrang, wobei er beim ersten Autorennen auf dem neuen Sachsenring am 30. Juni nichts Zählbares mitnehmen konnte.

Rennerfolge auf dem Sachsenring

1997 landete er hier im ersten Rennen als Achter wenigstens in den Punkterängen und wurde im zweiten 19. Am Jahresende stand bei ihm der neunte Schlussrang zu Buche.

1998 verzichtete man auf seine Dienste, doch 1999 kehrte er ins Cockpit eines ABT Audi A4 quattro zurück. Beim Saisonauftakt auf dem Sachsenring wurde er sowohl im Sprint- wie auch im Hauptrennen hinter seinem Teamkollegen Christian Abt und vor dem Opelaner Uwe Alzen jeweils Zweiter. Nach weiteren Podestplätzen beendete er die Saison auf Tabellenplatz fünf.

Ende 1999 wurde die STW beerdigt und für 2000 die DTM wiederbelebt. Das Abt-Team setzte hierbei vier Audi TT-R ein, von denen einen Kris Nissen pilotierte. Am Sachsenring belegte er die Plätze elf und 15. Am Saisonende beendete er seine aktive Laufbahn.

Bereits seit 1998 war er als Chefinstrukteur für die Talentförderung im ADAC Volkswagen Polo Cup verantwortlich. 2003 übernahm er schließlich den Posten des VW-Motorsportdirektors und führte die Marke unter anderem zu drei Rallye-Dakar-Gesamtsiegen (2009, 2010 und 2011) mit dem Race Touareg.

(Selbst-?)Demontage einer Gallionsfigur

Nach dem offenen Auto- und Motorradrennen in Macau im November 2010 sah sich Kris Nissen mit dem Vorwurf der sexuellen Belästigung einer Frau konfrontiert. Diese und danach weitere öffentlich gewordene Anschuldigungen überstand Kris Nissen noch weitgehend unbeschadet. Dennoch trat er mit Wirkung zum 1. Mai 2012 als Motorsportdirektor bei VW zurück und verschwand danach für einige Jahre von der Bildfläche. Inzwischen taucht er bei Classic-Tourenwagen-Rennen auch in Deutschland gelegentlich wieder auf.