Nest in Schlunzig bleibt verwaist

Interview mit Naturschutzbehörden-Mitarbeiter Jens Hering

Zwickau. 

Adebar ist nach Westsachsen zurückgekehrt. Pedalritter und Ausflügler verfolgen vielerorts aufmerksam das Treiben in den Storchennestern. BLICK-Reporter Holger Frenzel führte dazu mit Jens Hering von der unteren Naturschutzbehörde das folgende Gespräch.

Wann wird der Nachwuchs in den Storchennestern erwartet?

Das dauert bestimmt nicht mehr lange. Wir gehen davon aus, dass Ende Mai oder spätestens Anfang Juni die ersten Jungtiere schlüpfen werden.

Warum nehmen die Störche das Nest auf der Kirche in Schlunzig nicht mehr an?

Der Standort ist leider schon das zweite Jahr in Folge verwaist. Darüber machen wir uns Gedanken. Die Situation kann aber auch mit der Ernährungsfrage in Zusammenhang stehen. Es gibt weitere Storchen-Nester in Mosel und in Glauchau. Möglicherweise reicht die Ernährung für drei Storchen-Paare, die ihre Jungvögel aufziehen müssen, im Bereich der Muldenaue nicht aus.

Gibt es die Chance, dass in den nächsten Tagen noch Störche auf dem Nest in Schlunzig eintreffen?

Nein. Dafür ist es schon zu spät. Wir hatten bereits vor zwei Monaten bei einem Einsatz mit der Berufsfeuerwehr Zwickau organisiert und das Nest gereinigt. Mehrere Eimer mit Unrat wurden herausgeholt.

Können Sie sich die Gründe für das große Interesse der Bevölkerung an den Störchen erklären?

Die Geschichte und die Faszination von Adebar sprechen viele Leute an. Der Storch gilt als attraktiver Vogel, mit seinem roten Schnabel und seinem schwarz-weißen Gefieder. Keine Frage: Er ist ein Flaggschiff für den Naturschutz.