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Neues Stück in Zwickau: Ballett-Macher geben Einblick

Theater Mit "Glashäuser" begibt sich ein israelischer Choreograf auf Spurensuche nach seiner Familie

Zwickau. 

Welchen Einfluss haben unsere Wurzeln auf unsere Identität? Mit dieser Frage beschäftigt sich der israelische Choreograf Oded Ronen in seinem Stück "Glashäuser", das am Freitag Premiere im Zwickauer Malsaal feiert.

Vorfahren des Choreografen aus dem Vogtland

So sieht der weltweit erfolgreiche Choreograf die internationale Herkunft der Kompanie-Tänzer denn auch als ein großes Geschenk. "Weil sie verschiedene Perspektiven ermöglicht", sagt Ronen, dessen Vorfahren mütterlicherseits aus Plauen stammen. Seine Ururgroßeltern kamen 1905 aus Galizien ins Vogtland. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 flohen einige von ihnen vor den Pogromen und Deportationen. Die meisten verloren aber durch den NS-Terror ihr Leben. Das Stück sei kein Stück über Deutschland, es gehe hier um die Mechanismen der Ausgrenzung und darum, wie schnell eine Stimmung kippen kann, sagte Ronen auf der Einführungsmatinee am Sonntag. Der an das Sprichwort "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen" angelehnte Titel heiße "Glashäuser" und nicht "Glashaus", weil wir gleichzeitig Opfer und Täter sind, so der Choreograf, der den Zugang zum schwierigen Thema durch die Wahl der Musik fand. So wird neben den verschiedenen Nationalhymnen auch der 3. Satz von Gustav Mahlers 1. Sinfonie vertanzt, die für Ronen durch die Einflüsse der jüdischen Musik "wie die Faust aufs Auge" zum Thema passt.

Ausführliche Recherchen zum zweiten Weltkrieg

"Wir haben für das Stück sehr viel in Archiven recherchiert, auch nach Bildmaterial aus Plauen - vor und nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg", erklärte Dramaturgin Hanna Kneißler. Der italienische Bühnenbildner Silvio Motta entwickelte aus den Bildern Videoprojektionen. Die drei "Lametten"-Projektionsflächen seien ein Teil des Stückes und keine Dekoration, so Motta, der die Tänzerinnen und Tänzer in weiße "Uniformen" einkleidete. Sie unterscheiden sich nur durch schwarze Konturen, die die Gruppe äußerlich zu Individuen machen. So emotional-anstrengend die Arbeit an den "Glashäusern" für die Künstler war, so tief gingen den Matinee-Besuchern bereits die vorgestellten Ausschnitte aus dem Stück unter die Haut.

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