Ofenbauer geht in den Ruhestand

Handwerk Hans-Joachim Schnelle findet keinen Nachfolger

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Für Hans-Joachim Schnelle beginnt am Donnerstag ein neuer Lebensabschnitt, der wahrscheinlich nichts mehr mit Kachelöfen zu tun hat.Foto: Michel

Crimmitschau. Mit etwas gemischten Gefühlen schaut Hans-Joachim Schnelle auf den morgigen Donnerstag: Dann muss er aus Altersgründen sein traditionsreiches Ofenstudio an der Leipziger Straße in Crimmitschau schließen. Der Ofenbaumeister geht in den Ruhestand - mit 76 (!) Jahren. "Das ist ein Einschnitt im Leben. Ich muss mich bestimmt erst einmal daran gewöhnen, dass das Telefon künftig nicht mehr so oft klingelt", sagt Hans-Joachim Schnelle, der die freie Zeit unter anderem für Garteneinsätze und Ausflüge mit dem Schäferhund nutzen will. Zudem stehen zuhause etliche Bücher im Regal. Wie wurde bei Hans-Joachim Schnelle überhaupt das Interesse für den ungewöhnlichen Beruf geweckt?

Aus Ferienarbeit wurde Berufswunsch

Als Schüler hat er lange von einer Tätigkeit in einer Autowerkstatt geträumt. Sein damaliger Geschichtslehrer fragte damals, wer sich für die Ferienarbeit bei Ofenbaumeister Hermann Weiß interessiert. Hans-Joachim Schnelle meldete sich in der Werkstatt an der Petersstraße und fand schnell Gefallen an der Arbeit. "Ich habe damals noch mit dem Tafelwagen Schamottensteine abgeholt", erinnert sich der Crimmitschauer, der zwischen 1956 und 1959 seine Berufsausbildung gemacht hat. Später drückte er für den Meisterbrief die Schulbank. 1975 folgte der Start in die Selbstständigkeit. Zwischen 100 und 150 Kaminöfen hat der Ofenstudio-Betreiber pro Jahr montiert. Einen Nachfolger für das Unternehmen ließ sich - trotz einer intensiven Suche - nicht finden. "Ein Großteil der Leute will die schwere und schmutzige Arbeit nicht mehr machen. Das ist heutzutage eine ganz andere Generation", sagt der Crimmitschauer.