Oma Waltraud trifft Nana

Interview mit Travestiekünstler Jens Seibert

Zwickau. Die Gina kommt! Nein, nicht die Lollobrigida, sondern eine der ersten ostdeutschen Travestie-Nummern. Hinter Gina "versteckt" sich im wahren Leben Jens Seibert. Der 42-Jährige Zwickauer macht am 10. November wieder einmal in seiner Heimatstadt Station, 19 Uhr im Pauluspark. Der BLICK sprach vorab mit dem gelernten Keramiker.

Herr Seibert, Ihr Vorbild ist die oder der berühmte Gordy. Haben Sie Kontakt zu ihm?

Selbstverständlich, er kennt mich. Er war es ja auch, der als erster ernsthafte Themen in seine Programme aufnahm. Das habe ich mir zu eigen gemacht, auf der Bühne etwas für den Kopf zu bieten.

Wie viel Gordy ist im eigenen Programm?

Nur die Hanne Haller-Nummer, weil ich dazu auch die Original-Klamotte habe, sonst nichts! In diesem Metier macht so jeder sein Ding. Travestie zu imitieren geht nicht. Es mimt doch auch niemand einen Schauspieler nach.

Trotzdem schlüpft Gina noch in andere Rollen?

Früher waren es Marilyn Monroe oder Liza Minelli, heute gelegentlich noch Nana Mouskouri oder Milva. Mittlerweile stelle ich über neunzig Prozent eigene erfundene Charaktere dar - teils mit neuen Geschichten, wie mit Oma Waltraut oder der kleinen Susi.

Sie sind über zwanzig Jahre auf der Bühne - da gibt es sicher auch etwas Besonderes zu erzählen?

Ich habe zwei Extreme besonders in Erinnerung, ein Auftritt in einer Höhle und in Zürich. In der "Garderoben"-Höhle herrschten Minusgrade und in der Schweiz 40 Grad im Schatten. Da wurde das notwendige Schminken zur wahren Herausforderung.

Wie hoch ist bei all diesen Rollen der Anteil des Fetischs?

Ich bin weder Transvestit noch transsexuell, nichts in irgendeinem falschen Körper. Ich spiele eine Rolle - angenommen einen Massenmörder - der nach dem Stück doch auch nicht auf die Straße rennt und Leute umbringt.

Auf was dürfen sich die Gäste im Pauluspark freuen?

Es gibt eine neue Nummer, "Die vier Jahreszeiten und Sylvester", etwas Trauriges, Lustiges, Kritisches, Besinnliches, für jeden etwas. msz