Pflegekraft für einen Tag

Soziales Politikerin sammelt Erfahrungen in der Seniorenbetreuung

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Für Franziska Stolle und Seniorin Marianne Groß Alltag - für Sabine Zimmermann (Mitte) eine neue Erfahrung.. Foto: Andreas Wohland

Zwickau. "Da ich nun schon so alt geworden, aber ein Bundestagsabgeordnete hat mich noch nie besucht", sagte die 99-jährige Marianne Groß, die seit knapp einem Jahr in der Curanum Seniorenresidenz "Am Schwanenteich" lebt.

Abgeordnete half den Pflegern

Ein Besuch, den ihr die Bundestagsabgeordnete der Linken, Sabine Zimmermann, gestern abstattete, war es allerdings nur im übertragenen Sinne. "Ich bin heute hier in der Einrichtung, um mir ein unmittelbares Bild von der Betreuung älterer Menschen zu machen. Und zwar nicht, in dem ich einfach nur herumgeführt werde. Einschätzen kann man die Situation erst richtig, wenn man selbst mit zupackt und auch mal weniger angenehme Hilfeleistungen ausführt", machte Zimmermann deutlich.

Deshalb absolvierte gestern in der Seniorenresidenz einen Praktikums-Arbeitstag. Der begann für sie bereits um 6.30 Uhr. Bewohner waschen, Betten neu beziehen, Essen austeilen - das volle Programm. "Wenn man als Politiker über Themen spricht, sollte man meiner Meinung nach auch wissen, wie die Realität aussieht. Mir geht es dabei nicht allein nur um die Bewohner, sondern auch die Pflegekräfte."

Zimmermann sammelte Erfahrungen

Ihr hätten die wenigen Stunden als Praktikantin genügt, um zu erkennen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen schweren, nerven- und kräftezehrenden Job haben. "Und der ist noch dazu schlecht bezahlt. Hier muss die Politik ansetzen. Wir benötigen einen Pflegeschlüssel, der festlegt, wie viel Personen von einer Pflegekraft betreut werden. Außerdem muss das Berufsbild insgesamt aufgewertet werden und in unserer alternden Gesellschaft mehr Anerkennung finden."

Für einen hohen Pflegstandard sei es auf Dauer unumgänglich, dass die Selbstbeteilung an den Pflegekosten endlich wegfalle und von der Pflegeversicherung übernommen wird. "Es sollte jeder daran denken, dass auch er einmal alt wir und vielleicht auf Pflege angewiesen ist", so Zimmermann.