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Rheinländer wurde in Sachsen zum Profirennfahrer

Historie Zum 120. Geburtstag von Rudolf Caracciola

Westsachsen. 

Westsachsen. In der Ära zwischen dem ersten und dem Zweiten Weltkrieg nahm der Rennsport, nicht zuletzt auf Grund des immer stärker werdenden Engagements der Hersteller, so richtig Fahrt auf und wurde schon ziemlich professionell. Einer, der diese Zeit im Automobilsport prägte wie kein Zweiter, wurde heute vor 120 Jahren geboren - Rudolf Caracciola. Er ließ damals den (Mercedes-)"Stern" auf den Rennstrecken dieser Welt öfter erstrahlen als jeder andere. Zur jahrelangen Nummer 1 der Stuttgart-Untertürkheimer wurde er über den Umweg Dresden. Hier kam er erstmals mit dem deutschen Autobauer näher in Kontakt und wurde schließlich ein Teil von ihm.

Nach Schlägerei ins Exil nach Sachsen

Otto Wilhelm Rudolf Caracciola, so sein vollständiger Name, wurde am 30. Januar 1901 geboren. Der Ursprung seines italienisch klingenden Nachnamens geht bis zum 30-jährigen Krieg zurück. Damals wurde das Familienoberhaupt einer gleichlautenden neapolitanische Adelsfamilie in der Region Koblenz-Trier zur Regierung bestellt.

Rudolf Caracciolas Eltern betrieben in Remagen am Rhein ein Hotel, sodass seine berufliche Zukunft eigentlich vorgezeichnet war. Autos und Motorräder interessierten ihn allerdings stärker.

Mit 20 Lebensjahren war er als Volontär bei der Aachener Autoschmiede Fafnir beschäftigt. Für diese Marke bestritt er schließlich 1922 auf der am 24. September 1921 eingeweihten Berliner AVUS sein erstes Rennen und belegte in seiner Klasse einen guten vierten Platz. Damit war er gleichzeitig bestplazierter Fafnir-Fahrer.

Ebenfalls recht erfolgreich beteiligte sich Rudolf Caracciola in dieser Zeit an Motorradrennen. Die Region um Aachen war damals in belgischer Hand. Das führte natürlich zu Spannungen mit der Bevölkerung. Eines Abends war Rudolf Caracciola beim Kneipenbesuch in eine Auseinandersetzung mit belgischen Gendarmen involviert. Die anschließende Schlägerei machte es notwendig, die Region zu verlassen. Caracciola flüchtete ins sichere Dresden, wo er wenig später Verkaufsbeamter der dort ansässigen Daimler-Motoren-Gesellschaft wurde. Hier erhielt er wiederum die Möglichkeit, zusätzlich sein Können als Rennfahrer unter Beweis zu stellen, sodass er für 1923 zwischen Ingenieursstudium und Rennfahrerlaufbahn wählen musste. Die Wahl fiel nicht allzu schwer, wenngleich der Beruf Rennfahrer nicht gerade gang und gäbe war. Die Entscheidung sollte sich als goldrichtig erweisen.

1926 gewann er auf der AVUS den Ersten in Deutschland durchgeführten Großen Preis. Hier erhielt er auch den Beinamen "Regenmeister". Bei nasser Strecke war er ein so gefühlvoller Virtuose am Steuer, wie kaum ein Zweiter. Mit diesem Sieg war Caracciola erstmals auch international in Erscheinung getreten. Von der Siegprämie richtete er sich ein Autohaus am Berliner Kurfürstendamm ein. Wenig später musste er allerdings einsehen, dass die Rennerei zu zeitintensiv geworden war, um beide Sachen gleichzeitig und gleich gut zu betreiben.

Internationaler Durchbruch

Den internationalen Durchbruch schaffte er 1929. Erneut gewann er ein Regenrennen, und zwar die nordirische Tourist Trophy. Auch in Monaco konnte Caracciola brillieren, als er mit dem wuchtigen Mercedes SSK, auch "weißer Elefant" genannt, auf dem winkligen Stadtkurs einen bemerkenswerten dritten Platz herausfuhr.

1931 gewann er als erster ausländischer Fahrer die 1000 Kilometer lange Fernfahrt durch Italien, die Mille Miglia.

Im darauffolgenden Jahr beteiligte sich Mercedes, nachdem man im Vorjahr die Werkseinsätze schon beschnitten hatte, nicht mehr am Rennsport. Caracciola unterschrieb daraufhin bei Alfa Romeo, die mit dem P 3 den ersten echten Monoposto-Rennwagen, will heißen, der Fahrer saß in der Mitte des Fahrzeugs, an den Start brachten.

Mit dem italienischen Wagen errang Caracciola pikanterweise, neben vielen weiteren Siegen, auch den beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring.

Im darauffolgenden Jahr gründete er zusammen mit Louis Chiron die "Scuderia CC". Chiron und Caracciola vertrauten wiederum auf zwei Alfa P 3, waren nun allerdings Privatfahrer. Beim ersten Saisonrennen in Monte Carlo erlebte Rudolf Caracciola einen üblen Unfall, der ihn nach monatelangem Vollgips für den Rest des Jahres ausfallen ließ. Mit den Nachwirkungen des Unfalls hatte Caracciola bis zu seinem Lebensende zu kämpfen, war doch sein rechtes Bein fortan 5 cm kürzer als sein linkes. Im später folgenden Krieg wurde er daraufhin als Invalide eingestuft.

Schicksalsschläge

Nach weitgehend abgeschlossener Genesung ereilte ihn ein weiterer Schicksalsschlag, als seine Frau bei einem Lawinenunglück umkam. Um den seelisch stark angeschlagenen Caracciola, der schon seit einigen Jahren in Lugano in der Schweiz lebte, kümmerten sich in der Folgezeit sein Freund und Rivale Louis Chiron sowie dessen Lebensgefährtin Alice Hoffman. Louis Chiron war schon immer ein lebenslustiger Kerl, ließ allerdings den nötigen Ernst für ein ehelich geregeltes Leben vermissen. So geschah es, dass sich Alice und Rudolf persönlich immer näher kamen, bis die attraktive Frau ein paar Jahre später in eine Ehe mit Rudolf einwilligte. Die Freundschaft der Herren Chiron und Caracciola wurde dadurch nur kurzzeitig beeinträchtigt.

Auch sportlich ging es mit Rudolf Caracciola wieder aufwärts. Mercedes stieg 1934 mit dem W25 erneut in den Rennsport ein und wurde dabei, wie auch Auto Union, durch die Nazi-Regierung finanziell unterstützt. Gefahren wurde nach der neuen 750-kg -Formel.

Bereits im darauffolgenden Jahr erreichte Caracciola nach Siegen in Tripolis, Montlhery, Spa, Bern und San Sebastian mit dem Titel des Europameisters den vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere.

Die 1936er-Saison stand dann ganz im Zeichen der sächsischen AUTO UNION und deren Spitzenfahrer Bernd Rosemeyer. Mit dem W125 stellte Mercedes aber in den nächsten beiden Jahren wieder einen Wagen zur Verfügung, mit dem Caracciola erneut Europameister werden konnte.

Eine weitere unvergleichliche Leistung gelang "Carratsch" 1939, als er seinen insgesamt neunten Sieg am Nürburgring feiern konnte. Der Große Preis von Deutschland stand wieder auf dem Programm und mit dem Schwaben Hermann Lang war Caracciola starke Konkurrenz aus den eigenen Reihen erwachsen. Lang dominierte das Jahr 1939, konnte sich am Jahresende aber nicht Europameister nennen. Wegen des Kriegsausbruchs und der damit abgebrochenen Saison vergab die damals oberste internationale Rennsportbehörde AIACR keinen Titel. Am Nürburgring, der schwersten Rennstrecke der Welt, sollte dem Regen wieder einmal eine tragende Rolle zukommen. Bei solchen Bedingungen galt Caracciola, wie bereits erwähnt, als fast unschlagbar. Durch diesen Sieg konnte er auf eine weitere, stolze Bilanz zurückblicken: sechs Mal gewann er den GP von Deutschland, einmal auf der AVUS sowie fünf Mal auf dem Nürburgring.

Karriereknick durch Zweiten Weltkrieg

Schließlich unterbrach der Zweite Weltkrieg die Fortsetzung des sportlichen Wettstreites und somit auch Rudolf Caracciolas Karriere, der 1946 die Schweizer Staatsbürgerschaft annahm. Auf Grund des Ausschlusses der Deutschen vom Renngeschehen rechnete er sich nämlich erheblich größere Chancen für weitere Renneinsätze aus. Zudem erhielt er für dieses Jahr eine Einladung nach Indianapolis, doch selbst als Neu-Schweizer stand der Einsatz mit einem Vorkriegs-Mercedes auf wackligen Beinen. Letztendlich gelang es ihm doch, nach Indianapolis zu gelangen. Die ersten Trainingsrunden nahm er dann allerdings mit einem amerikanischen Thorne Engineering Special in Angriff und verunglückte nur wenig später aus bislang ungeklärter Ursache schwer. Erneut wurde ein längerer Krankenhausaufenthalt notwendig.

Nach der neuerlichen Regeneration fuhr er 1952 die Rallye Monte Carlo und die Mille Miglia. Der Große Preis der Schweiz auf dem Bremgartenkurs bei Bern sollte dann allerdings sein letztes Rennen werden. Wieder erlebte "Carratsch" einen schweren Unfall. Eine blockierte Bremse am Mercedes 300 SL beendet seine Karriere endgültig.

Sieben Jahre später, konkret am 28. September 1959, starb Rudolf Caracciola im Alter von nur 58 Jahren an einer Leberinfektion.