Schumann und die Liebe

Literatur Zwickauer Museumsleiter veröffentlicht Buchband

Dass ein fremder Liebesbrief ein Geheimnis und tabu ist, versteht sich eigentlich von selbst. Handelt es sich jedoch um den Brief eines Toten, der zudem Sohn der Stadt und einer der berühmtesten Komponisten aller Zeiten ist, wandelt sich die Perspektive schon ein wenig. Besonders für jemand wie Dr. Thomas Synofzik, Musikwissenschaftler und Leiter des Robert-Schumann-Hauses Zwickau wird ein solcher Brief, geschrieben vom Beinamensgeber der Schumannstadt selbst, schließlich weniger zum Objekt der schieren Neugierde, sondern zum Einblick in Lebensumstände, Motivationen, Schaffenskrisen. Umso weniger zufriedenstellend für einen Forscher wie ihn also, wenn die einsehbare Korrespondenz gekürzt (so geschehen bei den Ende des 19. Jahrhunderts von Clara Schumann selbst herausgegebenen Veröffentlichungen) oder mangels Quellen unvollständig (wie die von Eva-Ruth Weissweiler zwischen 1984 und 2001 herausgegebene, unvollendete Neuedition) bleibt. Zu Beginn dieses Monats erschien nun der von Dr. Synofzik, Anja Mühlenweg und Sophia Zeil herausgegebene vierte und letzte Teil des Braut- und Ehebriefwechsels des wohl berühmtesten Liebespaares der Musikgeschichte. Erstmals greift damit eine Edition auf sämtliche verfügbaren Quellen zurück und zeichnet den Briefwechsel des jungen Komponisten und der Starpianistin vom frühen Kennenlernen über die stille Liebe, die heimliche Verlobung und gerichtlich erstrittene Hochzeit bis zu Schumanns Tod im Jahr 1856 nach.