• Corona-News
  • Sachsen
  • Chemnitz
  • Erzgebirge
  • Mittelsachsen
  • Vogtland
  • Westsachsen

"Smoking Jo" ist 60

MOTORSPORT Joachim Winkelhock auch am Sachsenring bekannt und beliebt

Sachsenring. 

Sachsenring. Im Laufe der Jahre gab es einige sogenannte Rennfahrerfamilien. Eine der bekanntesten deutschen ist die Familie Winkelhock. Deren berühmtestes Familienmitglied war der 1985 tödlich verunglückte Formel-1-Pilot Manfred Winkelhock. Dessen jüngerer Bruder Joachim, meist nur Jockel genannt, hatte zwar auch schon einen Fuß in der Formel-1-Tür, machte sich aber vor allem als begnadeter und erfolgreicher Tourenwagen-Pilot einen Namen. Er feiert heute seinen 60. Geburtstag und dem Sachsenring-Publikum vor allem durch seinen Doppelsieg beim Rennen zum Supertourenwagen Cup (STW) 1997 in sehr guter Erinnerung. Neben Manfred und Joachim Winkelhock machte auch deren dritter Bruder Thomas im Automobilrennsport Karriere. Auch Manfreds 1980 geborener Sohn Markus trat in die Fußstapfen seines Vaters und schaffte es ebenfalls bis in die Formel 1. Er ist auch heute noch aktiv, zum Beispiel sporadisch im ADAC GT Masters.

Kurzes Formel-1-Intermezzo

Joachim "Jockel" Winkelhock kam am 24. Oktober 1960 in Waiblingen zur Welt. Seine Motorsport-Karriere begann er als 18-Jähriger ab 1979 im Renault-5-Pokal. Später versuchte auch er sich im Formel-Sport und stieg über die Formel Ford in die Deutsche Formel 3 Meisterschaft auf. 1988 gewann er im WTS-Team von Michael Schumachers späterem Manager Willi Weber die Deutsche und Europäische Formel 3 Meisterschaft.

Im darauffolgenden Jahr ging es für ihn schon in die Formel 1, doch mit hoffnungslos unterlegenem Material bei AGS-Ford wurde er nach dem siebenten Rennen vor die Tür gesetzt.

Danach schlug der heutige Jubilar einen neuen Weg ein und wurde einer der erfolgreichsten Tourenwagenpiloten. Auch durch seine Markentreue zeichnete er sich aus und stand fortan jahrelang in Diensten von BMW. Noch 1989 sammelte er in der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft (DTM) seine ersten Punkte. 1990 stand er auf dem Nürburgring zum ersten Mal auf dem Podest und feierte später im Jahr, beim Flugplatzrennen im niedersächsischen Diepholz, seinen ersten DTM-Sieg.

Nach dem werkseitigen Ausstieg von Audi, BMW und Opel aus der DTM Ende 1992 beorderte ihn sein Arbeitgeber 1993 in die die Britische Tourenwagen Meisterschaft, die er für die Münchner auf Anhieb gewann.

Doppelsieg auf dem Sachsenring

1995 gewann er in Deutschland den Supertourenwagen Cup und durfte als "Belohnung" 1996 wieder auf die Insel. So kam er erst 1997 erstmals an den neuen Sachsenring, auf dem nach sechsjähriger Pause seit 1996 wieder Rennen ausgetragen wurden. Inzwischen lautete sein Spitzname "Smoking Jo", der dem Starkraucher während seiner England-Zeit auf Grund seines spektakulären Fahrstils mit oft qualmenden Reifen, aber auch wegen seines Zigarettenkonsums, selbst noch in der Startaufstellung, verliehen wurde.

Von Startplatz vier aus gewann er am Rennsonntag in seinem BMW 320i sowohl das Sprintrennen über 15 Runden, wie auch das direkt anschließende Hauptrennen über 29 Runden, jeweils vor dem späteren Titelgewinner Laurent Aiello in einem Peugeot 406 und Uwe Alzen in einem Opel Vectra.

1998 führte er hier im Sprintrennen anfangs, doch nachdem seine Servolenkung ausgefallen war und er sich zwei Mal drehte, kam er nur auf Platz neun ins Ziel. Das war dann auch seine Startposition fürs Hauptrennen, in dem er sich, trotz eines weiteren Drehers, bis auf Rang zwei hinter seinem Teamkollegen, dem ehemaligen Motorrad-Weltmeister Johnny Cecotto aus Venezuela, vorarbeiten konnte.

Sieg beim Sportwagen-Klassiker

1999 sah das BMW-Racing-Programm unter anderem wieder den Sportwagenklassiker schlechthin, das 24-Stunden-Rennen von Le Mans, vor. Dieses gewann Jockel Winkelhock zusammen mit dem Italiener Pierluig Martini und dem Franzosen Yannick Dalmas, dem er 1989 in der Formel 1 Platz machen musste, in einem BMW V12 LMR.

Ende 1999 wurde der Supertourenwagen Cup eingestellt und die DTM nach vierjähriger Pause 2000 wiederbelebt. Da sich BMW damals noch nicht wieder an der nun Deutsche Tourenwagen Masters heißenden Rennserie beteiligte, nahm Jockel Winkelhock das mehrfach unterbreitete Angebot von Opel schließlich an und war nun wieder ein Teil der DTM. Bis 2003 war der sympathische Schwabe noch für Opel in der DTM unterwegs und wurde nach seinem Rücktritt Markenbotschafter der Rüsselsheimer.

Im ersten Jahr der neuen DTM konnte Joachim Winkelhock auf dem Norisring in Nürnberg seinen vierten DTM-Sieg feiern. Es sollte sein letzter sein. Auf dem Sachsenring wurde er danach nach einem Ausfall im ersten Lauf im zweiten Zehnter. Ab 2001 trug die DTM nur noch ein Rennen pro Wochenende aus. Nach einer weiteren Nullnummer 2001 landete "Smoking Jo" 2002 hier auf Platz fünf. Seit dem macht die DTM einen Bogen um den Sachsenring.