Sorge um das Federvieh

Vogelgrippe Limbacher Tierpark hat Ausnahmeantrag gestellt

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In diesem Winter wird man wohl keine Gänse und Schwäne des Parks auf dem Teich beobachten können. Foto: Anett Büchner-Ulrich

Limbach-Oberfrohna . Mit dem Wintereinbruch ziehen viele Vogelarten nach Süden - und verbreiten dabei einen tödlichen Erreger. Das so genannte "H5N8"-Virus hat eine neue Epidemie ausgelöst. Mittlerweile sind in Deutschland sogar erste Zoo-Tiere davon betroffen. Trotz dieser Fälle handele es sich bei der derzeitigen Erkrankungswelle aber um eine Wildvogel-Epidemie, sagen Experten, die seit mehreren Wochen Verdachtsfälle im ganzen Land untersuchen. Im Amerika-Tierpark Limbach-Oberfrohna wurden trotzdem alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um ein mögliches Ausbrechen der Seuche zu unterbinden. "Die Stallpflicht betrifft auch unsere Stadt", erklärte Dietrich Oberschelp. "Es wurden bereits die Flamingos in ihr Haus einquartiert, weitere Vorkehrungen laufen. Die Schwäne und Gänse, die den Teich besiedeln, wurden eingefangen, die Papageienkäfige sind abgedeckt." Ziel ist es laut dem Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung, den Besuchern trotzdem ein möglichst breites Spektrum der Tiere zugänglich zu machen, jedoch steht der Schutz dieser und die Verhinderung der Ausbreitung der Viruserkrankung im Vordergrund. Klaus Eulenberger freut sich, dass inzwischen das Veterinäramt des Landkreises eine Sondergenehmigung für Pinguin- und Flamingoland erteilt hat. Da die Tiere unter Netzen leben, ist ein Kontakt mit Wildvögeln eher die Ausnahme. Trotzdem gibt der Vorsitzende des Fördervereins zu bedenken, ob man während der Hochausbreitungszeit des Virus beide Großanlagen nur von außen betrachten lässt. Möglich wäre eine Übertragung vom Mensch, wenn dieser beispielsweise Kot von Wildvögeln am Schuhwerk hat und diese in die Anlagen trägt. Da in Sachsen bislang nur Fälle aus dem Leipziger Seenland bekannt sind, möchte Eulenberger vorerst mit einer solchen Entscheidung noch abwarten. Er möchte jedoch nicht ausschließen, dass die Situation den ganzen Winter über angespannt bleibt. Aus Erfahrungen ist von einem Vierteljahr auszugehen, in dem die Viren grassieren. Der Naturschutzbund bezweifelt, dass allein Wildvögel das Vogelgrippe-Virus H5N8 verbreiten. Zahlreiche Indizien würden für eine Verbreitung durch die Geflügelwirtschaft sprechen. Die Organisation forderte das bundesweit zuständige Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) am Mittwoch auf, solche Hinweise ernst zu nehmen und zu prüfen. Das FLI auf der Insel Riems bei Greifswald entgegnete, es prüfe konkrete Hinweise unter anderem im Rahmen der Risikobewertung. Es könne aber nicht jeden vagen Vermutungen und Theorien nachgehen. Der Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann nimmt an, dass das aktuelle Virus sehr wahrscheinlich direkt aus der Geflügelwirtschaft in China nach Europa gelangt ist.