Sorge um den Arbeitsplatz

Personalpolitik Beschäftigte kritisiert Arbeitsagentur

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Zum Jahresende läuft der Arbeitsvertrag zwischen Corina Voigt und der Arbeitsagentur aus. Foto: Andreas Wohland

Zwickau. Was Corina Voigt kürzlich im Zwickauer BLICK las, war für die 46-Jährige wie ein Schlag ins Gesicht. In einem Beitrag warben Arbeitsagentur und Jobcenter dafür, dass Firmen mehr Menschen mit einem Handicap einstellen sollten. Aber ausgerechnet sie hat als Beschäftigte der Arbeitsagentur eine andere Erfahrung gemacht. Mit befristetem Arbeitsvertrag war sie zwei Jahre lang als Vorleseassistentin für eine festangestellte, fast blinde Mitarbeiterin tätig. Sie hat unter anderem Texte vorgelesen, Aufträge sortiert, erledigte sogar persönliche Handreichungen. Gut drei Monate habe es gedauert, bis beide Frauen als eingespieltes Team funktionierten.

Sie ist Betriebswirtin und alleinerziehende Mutter

Zum Jahresende läuft der Vertrag von Corina Voigt aus. Dann steht die ausgebildete Betriebswirtin und alleinerziehende Mutter, die auf Grund einer Erkrankung auf einem Auge blind ist, auf der Straße. Schmutzige Wäsche waschen will sie nicht. "Rein arbeitsrechtlich ist das Auslaufen meines Vertrages sauber. Trotzdem halte ich das Ganze für kurzsichtig und problematisch. Stimmt die Chemie zwischen meiner bisherigen Kollegin und der neuen Assistentin nicht, bei der es sich um eine Festangestellte der Agentur handelt, werden Qualität und Quantität der Arbeit zwangsläufig leiden."

Ein Auftrag der Bundesagentur

Pressesprecherin Mirjam Sobe erklärt den Standpunkt zu dieser behördeninternen Entscheidung. "Förderung und berufliche Integration von Menschen mit Schwerbehinderung sind ein Auftrag der Bundesagentur für Arbeit. Sie hat sich verpflichtet, deutlich mehr Menschen mit Behinderung zu beschäftigen als gefordert. Ein gesetzlicher Anspruch auf Übernahme in ein Dauerarbeitsverhältnis ergibt sich aber auch für Menschen mit einem Handicap nicht." Von den insgesamt 592 Beschäftigten der Zwickauer Arbeitsagentur und des Jobcenters sind 68 schwerbehindert oder gleichgestellt.