Stadtderby: Remis zwischen den Rivalen

Fußball Umkämpftes Spiel mit prominenter Leitung

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Referee Bernd Heynemann war der Star des Ortsderbys zwischen dem TV Oberfrohna und dem FSV Limbach. Foto: A. Büchner

Limbach-Oberfrohna. Es war das Wochenende des TV Oberfrohna 1862. Anlässlich der 155 Jahre Bestehen des Turnvereins wurde drei Tage lang auf dem Platz hinter dem Jahnhaus gefeiert. Der große Höhepunkt sollte das Stadtderby gegen den FSV Limbach werden, gegen den die Oberfrohnaer in der jüngeren Vergangenheit noch nie hatten gewinnen können - auch wenn es in der Westsachsenliga, in der beide Teams spielen, zuletzt für die Oberfrohnaer etwas besser lief.

850 Zuschauer beim Stadtderby

Beim Anstoß um 15.30 Uhr waren die Augen der rund 850 Zuschauer (Westsachsen-Liga-Rekord) vor allem aber auf einen gerichtet: Bernd Heynemann. Der 63-jährige Magdeburger gilt als einer der beliebtesten seiner Zunft, weil er wenig herablassend, immer erklärend und mit viel Humor Fußballspiele leitete. Nach 151 Bundesligaspielen hatte er sich 2001 zumindest sportlich etwas zurückgezogen. Für das "Duell der städtischen Rivalen", wie das Spiel im Vorfeld auch beworben wurde, hatte er eine Lizenz aus Sachsen, aber auch von seinem aktuellen Verein, dem PSV Magdeburg, erhalten.

"In der ersten Halbzeit ging es noch etwas ruhiger zu", kommentierte er das Eins zu Null in der Pause. "Insgesamt haben sich die beiden Teams aber nichts geschenkt." Heynemann wertete den kompletten Verlauf von beiden Seiten als "fair" ein - auch wenn kurz vor dem Abpfiff die Nerven blank lagen: Nach dem Tor der Oberfrohnaer durch Sebastian Kunze in der 43. Minute sah gegen Ende der zweiten Hälfte FSV-Keeper Björn Engmann die rote Karte.

Die Stimmen danach

Viel Jubel brandete zunächst bei den überwiegend Oberfrohnaer Fans auf - bevor es kurz vor Schluss plötzlich 1:1 hieß. Aagon Muli hatte in der 87. Minute den Ball im TVO-Tor versenkt. "Dieses Unentschieden ist absolut gerechtfertigt", so Heynemann. "Man hat den großen Respekt der Spieler vor diesem besonderen Punktspiel, aber auch dem Schiedsrichterteam bemerkt. Wenn man die spielerischen Anteile sieht, ist der Ausgang wirklich passend."

Pierre Knechtel hatte einen anderen Eindruck vom Spiel: "Wir waren klar die bessere Mannschaft, haben nichts zugelassen", so der Oberfrohnaer Trainer. "Für den FSV war es eine der ganz wenigen Chancen des Spiels - und sie haben sie genutzt. Wir können mit dem einen Punkt leben, aber wenn man sieht, wie der FSV solch ein Unentschieden feiert, wissen wir: Wir haben nichts falsch gemacht." Knechtel schätzte den Erwartungsdruck, der bereits vor dem Festwochenende auf seiner Mannschaft lastete, als hoch ein.

Steffen Kiel hatte sein Team in der Pause noch einmal ganz besonders eingeschworen: "Die Spieler wollten unbedingt noch was reißen", betonte der Trainer des FSV. "Drei Stammspieler haben uns gefehlt - unser Ziel, mehr über die Mitte zu kommen, ging lange nicht auf." Zur roten Karte für seinen Torwart meinte er, dass man dies auch mit Gelb hätte ahnden können - "..aber die Entscheidung ist okay." Im Vorfeld hatte es Bedenken gegeben, Heynemann könne als Gast der Oberfrohnaer bevorzugt für diese pfeifen: "Das war überhaupt nicht der Fall", erklärte Kiel. "Er hat alle Fouls klar geregelt, die gelben Karten haben alle gepasst - man könnte höchstens über das eine Abseits diskutieren."

Bernd Heynemann blieb auch nach dem Spiel noch vor Ort, bevor er heute zu seinem Termin bei Sport 1 flog. Seit dieser Saison arbeitet er bei dem TV-Sender als Experte im Kommentatoren-Team. Heynemanns berühmtester Einsatz war bei der WM 1998, wo er unter anderem die Partie Norwegen gegen Italien pfiff. Für seine Leistungen wurde er 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt. Der große Gewinner des Festwochenendes war vermutlich die kleine Maya Schubert. Die Zehnjährige gewann den Hauptpreis in der Tombola: Zwei Karten für ein Heimspiel des FC Bayern München.