Sternstunde für Zwickauer Stadtarchiv

Archiv Stadtrechtsbuch konnte erfolgreich restauriert werden

Zwickau. 

Zwickau. Als eine Sternstunde für das Zwickauer Stadtarchiv bezeichnet Benny Dressel, stellvertretender Leiter des Zwickauer Stadtarchivs, die Restaurierung des Stadtrechtsbuches von 1348. Nun wurde es am Dienstag an das Stadtarchiv zurückgegeben. Das Buch, dessen Seiten aus gut erhaltenem Pergament bestehen, umhüllt ein Holzdeckeleinband mit Beschlägen und Schließen aus einer Messinglegierung. Jahrhundertlange mechanische Belastung setzten der wertvollen Archivalie stark zu. Dem Restaurator Christian Maul ist es in Zusammenarbeit mit seinem Berufskollegen Bernhard Gabert, der auf historische Buchbeschläge spezialisiert ist, gelungen, den Bucheinband und die Beschläge originalgetreu wiederherzustellen. Damit erstrahlt das Stadtrechtsbuch wieder im neuen Glanz.

"Nationale Ausstrahlungskraft"

Das Stadtrechtsbuch von 1348 zählt neben der urkundlichen Überlieferung zu den ältesten Dokumenten des Stadtarchivs. Zusätzlich zur Beschreibung der Bürgerrechte und Bürgerpflichten beinhaltet es auch die ersten Handwerksordnungen für die Tuchmacher als wichtigstem Handwerkszweig sowie für die Fleischer, Bäcker, Kramer, Schmiede und Schuster. "Unser Stadtrechtsbuch besitzt nationale Ausstrahlungskraft", so Kulturamtsleiter Dr. Michael Löffler. Dieser hebt die sprachgeschichtliche Bedeutung der deutschen Textabfassung, die erste Nennung des Steinkohlegebrauchs der Schmiede und die Beschreibung der Gerichtsbarkeit mit den einzelnen Strafbemessungen hervor. Außerdem sei es einfach sehr schön wegen seiner Gestaltung und den hervorragend erhaltenen Buchmalereien.

Zwickau spielte als Reichsstadt und Inhaberin der hohen Gerichtsbarkeit (der Halsgerichtsbarkeit, das heißt der Verhängung der Todesstrafe) im markmeißnischen Raum zu diesem Zeitpunkt eine Ausnahmerolle, da dieses hohe Rechtsprivileg nur wenigen anderen Städten zustand.

"Das Buch wird nun sicher in einer feuerfesten Metallbox unter Einhaltung strenger konservatorischer und klimatischer Anforderungen verwahrt. Dem Nutzer steht aber es aber weiterhin in Form von Mikrofilmen zur Verfügung", so der Archivar Benny Dressel.