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"Tex" Geißler feiert 50. Geburtstag

Motorsport Bayer war bei verkappten Sachsenring-Rennen erfolgreich

Sachsenring. 

Sachsenring. Auf dem Sachsenring selbst ist er nie ein Rennen gefahren, doch bei den Sachsenring-Rennen im Ausland stand Manfred "Tex" Geißler zwei Mal auf dem Podest. Nach dem Aus des alten Kurses (1990) und bis zur Einweihung des neuen (1996) veranstaltete der Automobil- und Motorrad-Club Sachsenring (AMC) seine "Sachsenring-Rennen", um im Geschäft sowie organisatorisch in Form zu bleiben, auf den tschechischen Rennstrecke in Most und Brünn. Heute feiert der Bayer, der nach seiner aktiven Zeit alljährlich als Techniker in diversen MotoGP-Teams alljährlich zum "Ring" kommt, seinen 50. Geburtstag.

 

Fährmann, hol über!

 

Mandfred Geißler erblickte am 10. Januar 1971 in Trostberg im oberbayerischen Landkreis Traunstein das Licht der Welt und wuchs im elterlichen Gasthof zum Roiter in Altenmarkt auf. In diesem betätigte sich der gelernter Schlosser fallweise als Aushilfskellner oder als "Fährmann" am nahen Flüsschen Alz, dem "Abfluss" des Chiemsees.

Ende 1990 tauchte er erstmals im OMK-Pokal auf, doch wegen eines Trainingssturzes konnte er am Rennen auf dem Flugplatzkurs von Straubing nicht teilnehmen. Also ging es 1991 erst richtig los. Am Saisonende bestritt er auch seine ersten Rennen in der Klasse bis 125 ccm der Deutschen Motorradmeisterschaft und fuhr auch gleich in die Punkteränge.

1992 kam er ins ADAC-Junior-Team und landete regelmäßig in den punktebringenden Top 15. Beim letzten Saisonrennen, dem nach Most ausgelagerten Sachsenring-Rennen, feierte er als Dritter hinter dem bereits gestandenen WM-Piloten Dirk Raudies und dem Hohenstein-Ernstthaler Rigo Richter seinen ersten DM-Podestplatz.

 

WM-Debüt und Deutscher Meister

 

1993 wollte er im Team Aprilia Rallye Sport in der DM möglichst weit vorn mitmischen. Da sich aber Peter Öttl bei Testfahrten vorm Saisonstart im australischen Eastern Creek verletzt hatte, wurde er von Harald Eckl in dessen Team Aprilia Deutschland ersatzweise befördert und kam so überraschend und extrem kurzfristig zu seinen ersten WM-Einsätzen.

Bei seinem Sprung ins kalte Wasser belegte er am 28. März in Down Under" den 17. Rang. Nach einem weiterem 17. Platz in Shah Alam in Malaysia kehrte Peter Öttl beim dritten Saisonrennen in Japan ins Team zurück, sodass sich "Tex" Geisler (woher er seinen Ersatz-Rufnamen hat weiß er selbst nicht so genau) zunächst tatsächlich auf die Deutsche Meisterschaft konzentrieren konnte. Mit Erfolg, denn mit seinem ersten DM-Sieg in Brünn und seinem zweiten auf dem Schleizer Dreieck sowie einem Punktemaximum als bester Deutscher in Assen und dazu zwei weiteren Podestplätzen wurde er Deutscher Motorradmeister der Klasse 125 ccm. Dabei war der zweite Aufschlag der DM auf dem Masaryk-Ring bei Brünn ein weiteres verkapptes Sachsenring-Rennen des gleichnamigen AMC. Bei diesem wurde Manfred Geißler hinter dem Australier Gary McCoy Zweiter.

 

Erste WM-Punkte

 

Dennoch kam er in jenem Jahr parallel zu weiteren WM-Einsätzen. Ab August ersetzte er den beim ebenfalls deutschen aber zwielichtigen "Team & Co." den entlassenen Maik Stief. Beim vorletzten Saisonrennen in Laguna Seca in den USA holte er sich als Zehnter seine ersten WM-Punkte.

Weil er sich eine Woche später beim vorletzten DM-Rennen im niederländischen Assen vorzeitig den Titel in der Deutschen Meisterschaft sichern konnte, stand auch seiner Pflichterfüllung beim zeitgleich mit dem DM-Finale im spanischen Jarama stattfindenden letzten Saisonrennen der WM nichts mehr im Weg. Bei diesem sah er nach einem Motorklemmer allerdings keine Zielflagge.

1994 wurde Manfred Geißler neben Peter Öttl im Team Marlboro Aprilia Eckl vollwertiger Grand-Prix-Fahrer, kam aber mit Standardmaterial nur bei drei der 14 WM-Läufe in die Punkteränge. In Suzuka wurde er 14., in Brünn Zehnter sowie wiederum in Laguna Seca 15.

Besser lief es für ihn 1995, als er, nun endlich zumindest mit Vorjahres-Werksmaterial ausgerüstet, sechs Mal Zählbares mit nach Hause nahm und mit 35 WM-Punkten WM-15. wurde. Sein Saisonhighlight setzte er dabei beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring, bei dem er als Siebenter über die Ziellinie fuhr.

1996 fuhr er bei acht der 15 Saisonrennen in die Punkte und konnte trotz seiner 54 gesammelten WM-Zähler als Gesamt-16. sein Vorjahresendergebnis nicht toppen. Dabei hatte er sich mit Platz fünf in Suzuka seinem ersten WM-Podest wieder ein Stück genähert.

 

Erster und einziges Grand-Prix-Podest

 

Für das Rennjahr 1997 war für Manfred Geißler und seinen inzwischen Langzeitteamkollegen Peter Öttl ohnehin kein Platz mehr im permanent mit Budgetsorgen kämpfenden Team Aprilia Deutschland. Zudem wurde ihr Teamchef Harald Eckl Teamchef des Kawasaki Racing Teams in der Superbike-Weltmeisterschaft. Beide kamen aber im Team UGT-3000 des Motorrad-Grau-Importeurs Ralf Schindler unter. Während Peter Öttl eine Werks-Aprilia pilotierte, musste "Tex" Geißler mit einer Production-Honda vorliebnehmen. Demzufolge hatte er es wieder schwer, in die Punkte zu kommen. Dies gelang ihm erst, beim fünften Saisonrennen auf dem A1-Ring bei Spielberg in Österreichs Steiermark, der Ausgangspunkt des heutigen Red Bull Rings. Peter Öttl hatte sich wieder einmal verletzt, sodass "Tex" Geißler mit der schnelleren Maschine ausrücken durfte und mit der ihm anvertrauten Werks-Aprilia als 13. ins Ziel kam. 15. dieses Rennens wurde übrigens Steve Jenkner. Der Hohenstein-Ernstthaler war gewissermaßen sein Nachfolger im Eckl-Team. Dieses hatte der ADAC Sachsen mit Hilfe von Harald Eckl extra für den sächsischen Rennfloh auf die Beine gestellt und den Teamplatz in der WM übernommen. Am Trainingssamstag hatte "Little Stevie" seinen 20. Geburtstag gefeiert und sich tags darauf mit seinem ersten WM-Punkt selbst beschenkt.

Nach einem zwölften Platz in Assen und einem 16. im italienischen Imola auf der Production-Honda unmittelbar hinter Peter Öttl, durfte "Tex" Geißler beim Deutschland-Grand-Prix auf dem Nürburgring wieder mit der Aprilia des bei einem Fahrradunfall neuerlich verletzten Bayern ausrücken. Mit Erfolg, denn hinter dem gerade aufgehenden Stern und Seriensieger Valentino Rossi sowie dem Japaner Yoshiako Katoh feierte "Tex" Geißler als Dritter seinen ersten WM-Podestplatz. Danach wurde Peter Öttl vom Team wegen unbequemer Kritik entlassen und Manfred Geissler dauerhaft auf die Weks-Aprilia gesetzt. Insgesamt kam er in jenem Jahr sechs Mal in die Punkte und schloss die WM mit 31 Zählern als WM-16 ab. Damit war er zwar bestplatzierter Deutscher, musste aber dennoch seine Karriere nach 64 bestrittenen Grand Prix beenden.

 

Heute MotoGP-"Innendienstler"

 

Nach seiner aktiven Karriere blieb er bis heute Teil des Grand-Prix-Zirkus. So arbeitete er zum Beispiel als Team Manager bei Yamaha-Kurz und entwickelte sich nach und nach zum Data-Recording-Spezialisten. In diesem Zusammenhang ist er Jahr für Jahr auch auf dem Sachsenring zu Gast, wenngleich etwas im Verborgenen der jeweiligen Box. Nach vielen Jahren für Suzuki in der MotoGP, wechselte der heutzutage in Pittenhart beheimatete "Tex" Geißler 2016 ins MotoGP-Testteam von KTM und ist seit 2017 fester Bestandteil des orangen Grand-Prix-Teams. Demzufolge sind die jüngsten Erfolge des Mattighofener Herstellers zu einem gewissen Prozentsatz auch der Verdienst des nach wie vor begeisterten Eishockeyspielers der Trostberger Alzbären. Mit ihnen gewann er im vergangenen März zum wiederholten Mal die Inn-Chiemgau-Hockey-Liga (ICHL).