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Turmgeschichte(n) vom Sachsenring

MOTORSPORT 60 Jahre historischer Start- und Zielturm

Sachsenring. 

Sachsenring. Vor 60 Jahren begann die lange und wahrlich wechselvolle Geschichte der massiven Start- und Zieltürme des Sachsenrings. Die erste Veranstaltung mit einem festen Gebäude war aber keine Motorsport-Veranstaltung, sondern die UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaft am 13. und 14. August 1960. Der erste Tag, ein Samstag, war den Amateuren vorbehalten. Dieses geschichtsträchtige Rennen über 20 Runden des damals 8,731 Kilometer langen Sachsenrings (die Gesamtdistanz betrug demzufolge 174,62 Kilometer) gewann der DDR-Fahrer Bernhard Eckstein vor seinem Mannschaftskameraden Gustav-Adolf "Täve" Schur sowie dem Belgier Willy Vanden Berghen.

Geburt eines Wahrzeichens

Seine weltweite Berühmtheit erlangte der markante pilzförmige, wenngleich eckige, Turm allerdings primär durch die ab 1961 hier stattfindenden Läufe zur Motorrad-Weltmeisterschaft. Bis einschließlich 1972 gaben sich die weltbesten Motorrad-Straßenrennfahrer hier alljährlich ein Stelldichein. Danach begab sich die DDR in die freiwillige motorsportliche Selbstisolation. Der Start- und Zielturm blieb aber das Wahrzeichen des Sachsenrings und war immer wieder ein beliebtes Motiv auf Fotos oder Rennprogrammen. Nach dem Aus des alten Sachsenrings als Rennstrecke im Juli 1990 blieb der erste Start- und Zielturm erhalten und stand auch beim Renncomeback 1996 am Streckenrand des nun neuen Kurses. Dieser war und ist bis heute in das 1995 eröffnete Verkehrssicherheitszentrum eingebettet und wurde nach und nach immer wieder mehr oder weniger umfangreich verändert, umgebaut und modernisiert.

Neuer WM-Kurs, neuer Turm

1996 und 1997 gastierten am Sachsenring lediglich die Deutsche Motorradmeisterschaft und die STW - Super Tourenwagen. Dazu wurde neben den Straßen des VSZ das erste Teilstück des alten Kurses, allerdings nun entgegengesetzt der ehemaligen Rennrichtung, genutzt, was dem (ersten) Start- und Zielturm nichts anhaben konnte. Die Rennleitung wurde dabei in Container verfrachtet.

Anders 1998. Erneut hatten einige Visionäre am Sachsenring eine tolle Vorarbeit geleistet und den WM-Promoter Dorna mit dem Faustpfand überdurchschnittlich vieler Zuschauer schon bei nationalen Veranstaltungen davon überzeugt, den Motorrad Grand Prix von Deutschland vom Nürburg- an den Sachsenring zu verlegen. Der Plan ging in allen Belangen auf, sodass die unvergleichliche Erfolgsgeschichte des Sachsenrings als WM-Strecke fortgeschrieben werden konnte. Das erste WM-Rennwochenende auf dem neuen Areal fand vom 16. bis 19. Juli 1998, ja, von Donnerstag bis Sonntag, statt. Allerdings musste für die WM-Profis die noch provisorische Strecke weiter modifiziert werden. So musste zum Beispiel auch der alte Start- und Zielturm größeren Sturzräumen weichen. Wer nun dachte, dass das das Aus für dieses Monument bedeuten würde, hatte die Rechnung ohne die findigen Sachsen gemacht. Bereits im März wurde der Turm soweit abgebaut, dass der Kern auf einem Schwerlaster verladen und versetzt werden konnte. Seitdem steht er etwas näher an der B180 und ist das Domizil des ortsansässigen Motorsportclubs, dem AMC Sachsenring. Möglich wurde dies vor auch dank der finanziellen Zuwendungen von Gönnern und Sponsoren sowie privater Spender. Im gleichen Atemzug musste ein neuer Kampfrichterturm her, der natürlich an der neuen Start- und Zielgeraden im sich allmählich füllenden Gewerbegebiet Am Sachsenring errichtet wurde.

Nummer drei

Seine Halbwertzeit sollte allerdings sehr gering sein, zumindest in seiner Funktion als Start- und Zielturm. Im Zuge der ersten Vertragsverlängerung des Sachsenrings als Austragungsort des Motorrad Grand Prix von Deutschland erfolgte ab dem Saisonende 2000 bis zum Frühjahr 2001 der große Sachsenring-Umbau mit der Streckenverlängerung, der sogenannten Norderweiterung, und dem Bau der modernen Boxenanlage samt neuem Rennleitungsturm. Dies alles hat bis heute Bestand, sodass der Sachsenring seitdem über drei Start- und Zieltürme verfügt, was ein weltweites Novum darstellt.