Turnhalle vor Abriss bewahrt

Umnutzung Großvermieter hat frühere Entscheidung nicht bereut

Durch den Mut und das Engagement der Gebäude- und Grundstücksverwaltungsgesellschaft (kurz: GGV) ist ein traditionsreiches Objekt in Werdau erhalten geblieben: In der früheren Turnhalle befinden sich nun die GGV-Büros. "Wir haben den Schritt, uns für diesen Standort zu entscheiden, nicht bereut. Viele Besucher, die erstmals zu uns kommen, staunen über das historische und sanierte Gebäude. Ein entscheidender Vorteil ist, dass wir hier viele Parkplätze direkt vor der Haustür haben", sagt Geschäftsführer Klaus Müller, der mit seinem Team für mehr als 1800 kommunale Wohnungen die Verantwortung trägt. Das Domizil, was letztlich auch Namensgeber für die vor der Haustür befindliche Turnhallenstraße war, hat eine interessante Geschichte. Die Turnhalle wurde 1863 erbaut. Egal ob Turn- oder Tanzveranstaltungen - das Haus war jahrzehntelang ein beliebtes Ausflugsziel für die Leute aus Werdau und Umgebung. "Auf dem Platz vor der Turnhalle waren auch oft Reitschulen aufgebaut", sagt Klaus Müller. Nach der Machtergreifung durch das Nazi-Regime hat sich die Nutzung gewandelt: In der Turnhalle waren zunächst Kriegsgefangene und später Umsiedler untergebracht. Ab 1981 stand der Komplex leer und war damit dem Verfall preisgegeben. Kurz nach der Wende haben sich die GGV-Verantwortlichen auf die Suche nach einem passenden Verwaltungsgebäude für den Großvermieter begeben. "Dabei waren eigentlich schon die Pläne für den Abriss der Turnhalle und einen Ersatzneubau fertig", erinnert sich Klaus Müller. Die Hinweise der Denkmalschützer und das Veto von Anhängern des Turnvereins haben aber schließlich zu Beginn der 1990-er Jahre für ein Umdenken gesorgt. 1994 haben die Sanierungsarbeiten begonnen. Dafür mussten rund 2,5 Millionen Mark ausgegeben werden. Mitte 1995 konnten die ersten GGV-Mitarbeiter ihre Büros beziehen.

In der Gegenwart gibt es oft Ärger, weil bei Projekten an älteren Gebäuden einerseits Risiken lauern und andererseits die Kosten in die Höhe schnellen. Hat Klaus Müller zu Beginn des Vorhabens an der Turnhallenstraße nicht die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen? Er schüttelt rückblickend mit dem Kopf: "Ich komme aus dem Baugeschäft und war überzeugt, dass wir so ein Projekt stemmen können". Mit etlichen historischen Bildern im Gang und einem historischen Fenster im Treppenhaus wird an die besondere Geschichte des Gebäudes erinnert.