Übergriff auf Nachbarin: Urteil vertagt

Gericht Ein neues Gutachten wurde erforderlich

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Der Gerichtsmediziner Beyer gab dem Verfahren heute eine Wendung. Foto: Nicole Schwalbe

Zwickau. Im heutigen Prozess gegen Heiko S., der wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Zwickau steht, äußerte sich der Rechtsmediziner zu den Verletzungen des 83-jährigen Opfers Hildegard B. Der Gerichtsmediziner hatte zwei Tage nach der Tat Brüche in beiden Kieferhöhlen der Geschädigten festgestellt, die durch die stumpfkantige Einwirkung einer Holzlatte herrühren können.

Er stellte außerdem fest, dass das Opfer jeweils einen Faustschlag auf die Augen und mindestens fünf Schläge gegen den Unterkiefer verpasst bekommen haben muss. Typische Verletzungen durch Würgen hatte der Rechtsmediziner beim Opfer allerdings nicht feststellen können. Die Geschädigte hatte ausgesagt, gewürgt worden zu sein. Verletzungen durch Würgen hätten sich in sogenannten "punktförmigen Unterblutungen" am Kopf, vor allem in den Augen, äußern müssen. Diese Blutstauungen lagen aber nicht vor.

Wahrscheinlich sei eher, dass der Angeklagte, wie auch Zeugen aussagten, die Geschädigte im Schwitzkasten hatte. Auf die Frage der vorsitzenden Richterin Ingrid Hoffmann, ob eine lebensbedrohliche Situation vorgelegen habe, antwortete der Rechtsmediziner sowohl hinsichtlich der Schläge als auch hinsichtlich des vermeintlichen Würgens mit einem Nein. Potentiell kann natürlich eine Lebensgefahr vorgelegen haben, für einen versuchten Totschlag benötigt der Jurist aber eine "akute", also reelle Lebensgefahr.

Dies führte auch anschließend die Staatsanwaltschaft in ihrem Abschlussplädoyer aus und machte deutlich, dass die Geschädigte ganz klar ihren Teil zur eskalierten Situation durch wiederholte Provokationen beigetragen habe. Wenn ein Mensch einen anderen provoziere, kann das der sogenannte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Die Staatsanwaltschaft hat aufgrund der jüngsten Aussagen eine Strafe von zwei Jahren auf Bewährung für eine gefährliche Körperverletzung gefordert, einen versuchten Totschlag verneinte sie.

Der Rechtsanwalt des Opfers sah dies anders und verlangte eine Strafe wegen versuchten Totschlags. Die Große Strafkammer, die aus drei Richtern und zwei Schöffen besteht, hat letztendlich kein Urteil gefällt und will stattdessen ein psychologisches Gutachten anfordern.

Die Fortsetzung ist für den Februar geplant. Eigentlich hätte das Urteil heute schon ergehen sollen.