Vereinsmitglieder fühlen Esskultur auf den Zahn

Historisches Nachwuchs und Gleichgesinnte gesucht

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Bernd Fäustel schöpft wie im Mittelalter Essen auf den "Brotteller". Foto: Nicole Schwalbe

Kirchberg. "Die Menschen hierzulande essen noch gar nicht so lange mit Gabeln und Löffeln", verrät Bernd Fäustel, Vereinsvorsitzender des Vereins "Porzellan- und Kaffeetraditionen". Die Gabel war sogar lange Zeit von der katholischen Kirche als Symbol des Teufels abgelehnt worden. "Auch Teller aus Porzellan, die man ja bekanntlich mehrfach benutzen kann, benutzt das gemeine Volk in Europa erst seit 1700", so Fäustel.

Gebräuchlich waren tatsächlich Teller aus Brot, feste Speisen und sogar Suppen wurden daraus mit den Händen gegessen. In Meißen wird erst seit 1710 Hartporzellan hergestellt und das war auch nur für den Adel erschwinglich. Erst mit der Industrialisierung wurde das Essgeschirr, wie wir es heute kennen, zum Massenprodukt.

Die 16 Mitglieder des Vereins beschäftigen sich nicht nur mit Porzellan und dem beliebten Gebräu "Kaffee", sondern vor allem auch mit der Geschichte der Esskultur. "Die Menschen im antiken Pompeji hatten beispielsweise keinen Platz für eine Küche und sind daher zur Garküche gegangen, um sich dort Essen zu kaufen", so Fäustel. Er präsentierte auf dem Altstadtfest nicht nur den harten Brotteller aus dem Mittelalter, sondern zeigte den Besuchern auch, dass es die erste "Imbissbude" bereits in der Antike in Pompeji gegeben hat. Der mit Holz und Kohle angefeuerte tragbare Kochherd, der mittlerweile mit Gas- oder Elektroanschluss in jedem Haushalt zu finden ist, wurde erst 1850 erfunden.

Der Verein sucht im Übrigen Nachwuchs und freut sich über Gleichgesinnte.