Von den Nazis schikaniert - Ex-Glauchauer besucht Heimat

Historie Aufarbeitung der Familiengeschichte

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Siegard Gottlieb (vorn) mit seiner Familie und Stadtrat Ulrich Schleife (re.) beim Besuch des Schlosses. Foto: Frenzel hof

Glauchau. Siegard Gottlieb ist nach fast sieben Jahrzehnten zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Der 83-Jährige, der in den USA zuhause ist, war zu Beginn der Woche in Glauchau. Dort ist er geboren und aufgewachsen. Die Familie mit jüdischen Wurzeln wurde von den Nazis schikaniert und hat nach dem zweiten Weltkrieg das Land verlassen.

Der rüstige und wissbegierige Rentner wurde von Tochter Susan (58), Sohn Steven (57) und Enkel Nathan (17) begleitet. Zudem war seine Lebensgefährtin mit nach Westsachsen gekommen. Damit konnte Siegard Gottlieb vor Ort die Fragen aus den Familien seiner Kinder beantworten. "Sie hatten Interesse an unserer Familiengeschichte und wollten viel zu meiner Kindheit wissen", sagte der Mann, der beruflich in der Immobilienbranche tätig war.

Arbeitsgruppe Stadtgeschichte organisierte Tour durch Glauchau

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Stadtgeschichte organisierten für die Gäste eine Stadtrundfahrt im Kremser. Dabei ging es unter anderem zum früheren Wohnhaus der Familie an der heutigen Agricolastraße und zum früheren Bekleidungsgeschäft der Eltern am Schlossplatz. Weitere Stationen waren Tiergehege, Bismarckturm und Schloss. Bei der Stadtrundfahrt hat sich Siegard Gottlieb manchmal verwundert die Augen gerieben.

"Glauchau wirkt irgendwie leer", sagte Siegard Gottlieb und ergänzte: "Viele Häuser verfallen. Auf den Straßen sieht man nur wenige Leute." Stadtrat Ulrich Schleife (CDU) und seine Mitstreiter aus der Arbeitsgruppe organisierten das Programm.

Dazu gehörten unter anderem ein Treffen mit Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos) und den ehrenamtlichen Vize-Oberbürgermeistern. Dagegen kam ein Termin mit ehemaligen Klassenkameraden von Siegard Gottlieb nicht zustande.