Vortrag über AHDS

Ratgeber Psychologe rät, das Potenzial der Krankheit zu nutzen

Jeder kennt ihn: den Zappelphilipp in der letzten Reihe, der sich mit allem beschäftigt, nur nicht mit dem Unterricht. AHDS zählt heute zu den am häufigsten diagnostizierten Kinderkrankheiten. Um den Betroffenen wirklich helfen zu können, reichen Tabletten nicht aus, erklärt der Psychologe Erik Georgi vom Heinrich-Braun-Klinikum (HBK) Zwickau. In der Krankenhauskapelle informierte er am Mittwoch im Rahmen einer öffentlichen Vortragsreihe über alternative Blickwinkel auf die Krankheit. "AHDS" steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. "Die Störungen beginnen meist in den ersten fünf oder sechs Lebensjahren und entwickelt sich dann über die gesamte Lebensspanne", so Georgi. Dabei lerne der Betroffene, sich mehr und mehr zu kontrollieren, wodurch sich Symptome und Selbstwahrnehmung veränderten. "Das Zappeln wird zur inneren Unruhe. Man beherrscht sich, aber innen brodelt es", sagt der Experte. Erik Georgi ist ausgebildeter klinischer Psychologe und auf Kinder und Jugendliche spezialisiert. Zur Diagnose von AHDS seien computergestützte Tests genauso erforderlich wie Gespräche und eine medizinisch-psychologische Untersuchung. Bei der Behandlung empfiehlt er, vor allem auf die Bedürfnisse des Betroffenen einzugehen und auf dessen Interessen zu setzen. "Wenn man den Punkt findet, wo der Mensch über längere Zeit konzentriert bei einer Sache bleibt - hier kann man ansetzen", so Georgi. Die Krankheit biete sogar Vorteile. "Die Kreativsten da draußen sind, neben den Depressiven, meist Menschen mit AHDS", sagt er und verweist darauf, dass unser Begriff der Normalität als Teil des Problems aufzufassen sei. Demzufolge liege die Lösung in einer noch zu erfindenden neuen gesellschaftlichen Rolle für Leute mit AHDS.