Wenn Urlaub Kunst hervorbringt

Ausstellung Joachim Rieß zeigt Bilder im Wohnmeisterhaus

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Kunst, sowohl auf kleinen Briefmarken als auch auf großen Leinwänden, gestaltet der Chemnitzer Maler und Grafiker Joachim Rieß. Foto: Toni Söll

Limbach. Zu Ehren des Künstlers und Briefmarkengestalters Joachim Rieß ist jetzt eine neue Ausstellung in der Galerie im Wohnmeisterhaus zu sehen.

Neben seinen Reiseeindrücken aus Korsika, Sizilien, der Normandie oder Brügge, teilweise in Acryl, teilweise mit Tusche und Feder gezeichnet, sind auch Farbholzschnitte und Aquarelle von Ehefrau Renate Rieß, Fotografien von Sohn Holger und Öl- sowie Pastellkreidebilder von Schwiegertochter Kerstin Rieß in der Schau zu sehen. Die Idee für diese "Familienausstellung" hatte Renate Rieß. Auch sie holt sich die Ideen für ihre Bilder oft im Urlaub.

"Wir fahren nicht in den Urlaub, sondern ins Arbeitslager", sagt sie und lacht. Was die Kunst ihre Mannes auszeichnet, sei seine unendliche Fantasie.

Die hat er Zeit seines Lebens auch für seinen Beruf benötigt.

240 Briefmarken gestaltete Rieß

Joachim Rieß ist einer der bekanntesten Briefmarkengestalter Deutschlands. 240 Einzelmarken hat er bis heute entworfen. Nach einer Lehre in der Werbeabteilung derFewa-Werke Chemnitz, war er seit 1965 freischaffend tätig auf dem Gebiet der Kleingrafik und Illustration. 1967 erhielt er den Kunstpreis der FDJ, im selben Jahr den Kulturpreis des RdB Karl-Marx-Stadt.

Von 1965 bis 1992 arbeitete Rieß im Designer-Team mit Manfred Gottschall und Hans Detlefsen. "Wir wurden oft als Sachsen-Dreier bezeichnet und hatten eine produktive Zeit", erinnert sich Rieß. Von 1978 bis 1988 gestaltete er zudem gemeinsam mit dem Bildhauer Volker Beier diverse grafische Entwürfe für Sondermünzen der Staatsbank Berlin.

Berufsalltag hemmte die Leidenschaft

Enten, Hunde und Vögel, berühmte Persönlichkeiten wie Papst Johannes Paul II. oder Joseph von Eichendorff, Gebäude, wie die Wartburg oder der Kölner Dom - all das und noch viel mehr hat Joachim Rieß auf "Botschafter eines Landes", wie er Briefmarken bezeichnet, gebracht.

Voraussetzung für die Arbeit eines Briefmarkendesigners sei ein ausgeprägtes Gefühl fürs Filigrane, sagt er. Wochenlang habe er sich mit den Motiven für eine Marke beschäftigt. Doch mittlerweile sei Schluss damit.

Neben der Freude, die er beim Illustrieren empfinde, sei der Ärger im Berufsalltag seit Jahren gewachsen. "Die Honorare für die Gestaltung wurden um 60 Prozent gekürzt und alles läuft heutzutage so anonym ab. Das gefällt mir nicht mehr", erzählt Joachim Rieß.