Woher kommen kulturelle Unterschiede?

Vortrag Autorin Mehrnousch Zaeri-Esfahan in Zwickau

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Die deutsch-iranische Autorin Mehrnousch Zaeri-Esfahani hielt vor Zwickauern einen sehr interessanten Vortrag. Sponsor war das Bündnis für Demokratie und Toleranz Zwickau. Foto: Nicole Schwalbe

Zwickau. Wenn man verstehen will, weshalb es Konflikte zwischen Deutschen und geflüchteten Muslimen gibt, muss man sich angucken, wie die Menschen denken und leben.

Monochromes vs. polychromes Zeitverständnis

"Etwa fünf Prozent der Weltbevölkerung leben mit "monochronem" Zeitverständnis, dazu zählen die Deutschen", so die Autorin Mehrnousch Zaeri-Esfahani. Die gebürtige Iranerin ist mit 11 Jahren nach Deutschland geflüchtet, da ihr 14-jähriger Bruder mit 15 im Ersten Golfkrieg hätte kämpfen müssen."Menschen mit monochronem Zeitverständnis agieren pünktlich und halten Verabredungen ein. Viele Muslime haben ein polychromes Zeitverständnis und leben nach dem Motto 'Komm ich heute nicht, komm ich morgen'", erklärt die Autorin.

Auch werden die Deutschen zu Individualisten erzogen in einem demokratischen Land, in dem sich jeder selbstverwirklichen darf. In den meisten islamischen Länder gibt es keine Demokratie, die Menschen sind Teil eines Kollektivs (Kollektivismus). Hier gibt es Korruption, Vetternwirtschaft und das Recht des Stärkeren. Auch in der ehemaligen DDR waren alle Menschen gleich.

In der Erziehung werden die Grundsteine gelegt

Ein ähnlicher kollektivistischer Gedanke prägte den Staat. "Eine Psychologin untersuchte die Erziehung von Deutschen und Muslimen in den ersten sechs Lebensjahren und fand heraus, dass beide absolut gegensätzlich sind", erzählt Zaeri-Esfahani bei ihrem Vortrag in der Denkwerkstatt der Diakonie vor etwa 100 Zuhörern.

Die Mütter in Kamerun nahmen ihr Baby aus der Wiege, ohne es anzusehen und mit ihm zu reden. Das wäre in Deutschland undenkbar. Die Kinder in Kamerun lernten so, ihre Gefühle nicht wahrzunehmen und sich in ihrer Gruppe unterzuordnen. In Deutschland werden die Kinder so erzogen, dass sie ihre Meinung äußern und in der Lage sind, alleine zu überleben. Das erschwert Konfliktbewältigung zwischen den beiden Kulturen sehr, so Zaeri-Esfahani.