Zwickau zeigt Herz

Gesellschaft Marsch für Nächstenliebe

Am vergangenen Samstag marschierten in Zwickau nicht nur die regionalen Traditionsvereine der Bergleute durch die Stadt. An der Katharinenkirche versammelten sich ab 16 Uhr viele hundert Zwickauerinnen und Zwickauer unter einem ganz anderen Aspekt. Angesichts der ausländerfeindlichen Übergriffe mit brennenden Notunterkünften oder dem jüngst erfolgten Anschlag auf den Bus in Jahnsdorf, die in den letzten Wochen die Schlagzeilen prägten, hatte eine Gruppe um den Theaterangestellten Tino Helbig spontan zu einem weihnachtlichen Umzug für mehr Toleranz und Nächstenliebe aufgerufen. "Nach diesem Jahr", so Helbig, "ist es wichtig, gerade zur Weihnachtszeit öffentlich ein Zeichen für Toleranz zu setzen". Der Fundusverwalter am Theater Plauen-Zwickau betonte, man wolle zeigen, dass neben rechts- oder linksextremen Bewegungen auch eine aktive Mitte der Gesellschaft existiere, "die eben nicht nur Molotow-Cocktails schmeißt", sondern für Werte wie respektvolles Miteinander ungeachtet Herkunft, Religion, Interessen oder sozialem Status stehe. Diese Mitte galt es ihm und seinen Mitstreitern, die die Veranstaltung komplett privat finanzierten, zu mobilisieren. Unter dem Motto "Zwickau zeigt Herz" machten die Teilnehmer der Aktion einen sich zur Weihnachtszeit dafür anbietenden Lichtel-Umzug in einer großen Runde durch die nördliche Innenstadt, der gegen 16.30 Uhr startete und nach einer Route über Katharinenstraße, Schumannplatz, Magazin- und Peter-Breuer-Straße schließlich im Domhof endete. Als sich die gut achthundert Teilnehmer der aus der Facebook-Gruppe "Toleranz im Landkreis Zwickau" entstandenen Aktion abschließend im Domhof versammelten, um dort gemeinsam einige Weihnachtslieder zu singen, blieben viele Passanten spontan stehen und stimmten ein.