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Zwickauer holen in Nordengland zweimal Silber und dreimal Bronze für ihre Marmeladenkreation

Marmelade Sachsen greifen in britischer Domäne an - Marmelade aus Zitrusfrüchten ist ihr Steckenpferd

Zwickau. 

Zwickau. "Dalemain Mansion & Historic Gardens" ist ein etwa 400 Jahre altes Schloss im äußersten Norden Englands. Bis zur schottischen Grenze sind es nur wenige Kilometer. Klein und beschaulich gilt es als das weltweite Zentrum der Marmelade. Hier werden Jahr für Jahr die besten Marmeladenkreationen von einer Jury penibel genau geprüft und ausgezeichnet. Dieses Jahr waren knapp 4.000 Proben eingegangen. So viel wie noch nie, wie der Veranstalter mitteilte. Deutschland war mit 20 Einreichungen vertreten. Sie kamen aus Hamburg, Grassau am Chiemsee und aus Zwickau. Mit Yvonne und André Richter sind demnach die einzigen ostdeutschen Teilnehmer gewesen. Ein Test sollte es sein. Mehr nicht. Mit einem nennenswerten Erfolg hätten sie nie gerechnet. Schließlich sind dort weltweit anerkannte und erfahrene Spezialisten vertreten.

Deutsche Marmelade hat Qualität

Deutsche Marmeladen haben meist eine sehr hohe Qualität. Das versicherte Florence Lindeman vom Veranstalter. Auch deshalb war die Freude groß, als vor einigen Tagen Post aus England in Zwickau eintrudelte. Darin gratuliert die Jury zu zweimal Silber und dreimal Bronze. "Das ist einfach nur unglaublich und überwältigend", sagt André Richter nicht ohne Stolz. Erst im vergangenen September haben die Eheleute mit der Marmeladenherstellung begonnen und das mehr oder weniger aus einer Not heraus. André Richter führt die gleichnamige Genuss-Welt Richter am Alten Steinweg. Als die Lieferantin für Marmelade und Fruchtaufstriche Doreen Haase ihre Arbeit einstellte, brauchte er Ersatz. "Wir dachten, wir versuchen es wenigstens einmal", so der Oberhohndorfer. Es versprach von vornherein sehr interessant zu werden, dieses Neuland zu betreten. Ein gewisses Grundinteresse war bei beiden schon vorhanden. Rasch fand sowohl er als auch seine Frau Freude an der neuen Arbeit.

Neue Rezeptur für eigene Marmelade

Die Grundzüge des Knowhows und auch einiges an Ausrüstung erhielten sie von ihrer früheren Lieferantin. Dafür sind sie heute noch sehr dankbar. Die Rezepturen modifizierten sie nach und nach. Nur den Johannisbeer- Fruchtaufstrich konnten sie ihrer Meinung nach einfach nicht besser machen als ihre frühere Lieferantin. Die Herstellung der Fruchtaufstriche und Marmeladen wurde für die Richters aus verschiedenen Gründen interessant. So kamen sie auch erstmals mit sonst eher unbekannten Früchten in Berührung. Eine davon ist die Cedro. Dabei handelt es sich um eine Ess-Zitrone aus Italien. Mehr als faustgroß besteht sie aus nur wenig Fruchtfleisch und dafür aus einer dicken Schale. Genau diese Frucht sollte ihnen silberne Edelmetallprämierungen in Nordengland einbringen. Dort sind Marmeladen aus Zitrusfrüchten, und nur daraus gefertigte Aufstriche dürfen überhaupt Marmelade genannt werden, noch viel beliebter als in Deutschland. Deutsche Hersteller von Cedro-Marmelade gibt es nur wenige. Gerade deshalb freut es sie umso mehr, in die englische Marmeladen-Bastion vorgedrungen und erfolgreich gewesen zu sein. Das Geheimnis ihres Erfolges vermuten sie in der Liebe zum Detail. Nichts überlassen sie dem Zufall. Die Zutaten weisen alle Premiumqualität auf. Das beginnt bei den Früchten. Die Zitrusfrüchte beziehen sie frisch vom Produzenten aus Sizilien. Andere Früchte kaufen sie in der Region rund um ihre Heimatstadt. Verarbeitet werden sie frisch. Verkauft wird die Ware erst, wenn sie meinen, die Rezeptur kann nicht mehr verbessert werden.

Hochprozentige Verfeinerungen

Gern verfeinern die Richters ihre Marmeladen und Fruchtaufstriche mit ausgewählten Spirituosen. Diese Varianten sind auch in Nordengland sehr gut angekommen. Silber gab es für ihre Cedro-Gin-Marmelade und für die Cedro-Limoncello-Marmelade. Limoncello ist ein Zitronenlikör, der vor allem in Italien produziert wird. Bronze gab es für Orange-Whisky-Marmelade, für Orange-Aperol-Marmelade und für Vanille-Zitrone mit Grappa. Billige Spirituosen oder Vanille schmälern das Ergebnis. Aus diesem Grunde probieren die Eheleute lange aus, bis sie die passende gefunden haben.

Ohne Zucker geht es nicht!

Ohne Zucker geht es nicht. "Der Zucker sorgt dafür, dass die Produkte haltbar sind", so André Richter. Gelierzucker verwenden die Zwickauer jedoch nicht. Sie setzen dabei auf die vegane Variante Apfelpektin. Das macht die Marmeladen und Fruchtaufstriche auch für Veganer interessant.Gekocht wird im Keller des Wohnhauses. Dort stehen die beiden kupfernen Fünfkilokessel. In manchen Sorten stecken drei Tage Arbeit. Andere sind bedeutend schneller fertig. Etwa 20 verschiedene Rezepturen setzen sie regelmäßig um. Noch keine haben sie bislang verraten. Zu haben sind die Erzeugnisse in der Genuss-Welt Richter und im Globus-Markt. Die Ideen gehen den beiden nicht aus. Auch deshalb wird es wohl nicht bei den bislang 20 verfügbaren Rezepturen bleiben. Das steht fest. Fest steht auch, dass sich die Richters nächstes Jahr wieder am World Marmelade Award beteiligen wollen. Vielleicht reicht es dann sogar für Gold? Dieses Jahr fehlte ihnen bei der Cedro-Gin-Marmelade nur ein einziger Punkt.



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