Zwickauer Polizei stoppt frisierte Fahrzeuge en masse

blaulicht Schwerpunktkontrollen zum Start in die motorisierte Zweiradsaison

 

Zwickau. Das warme und sonnige Wetter der letzten Wochen lockte viele Besitzer von Klein- und Leichtkrafträdern auf die Straßen im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Zwickau. Dies nahmen die Beamtinnen und Beamten der Verkehrspolizeiinspektion zum Anlass, Zweiräder schwerpunktmäßig auf deren Verkehrstauglichkeit hin zu überprüfen.

Die verstärkten Kontrollen zeigten, dass vor allem junge Verkehrsteilnehmer Umbauten an ihren Fahrzeugen vornahmen, welche zum Teil zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führten. Die Veränderungen reichten von optischem Tuning bis hin zu stark gesteigerten Fahrleistungen. Häufig wurden Veränderungen an den Zylinderköpfen vorgenommen, die Auspuffanlagen frisiert, Federbeine ausgetauscht und originale Luftfilter ersetzt.

Neben 15 festgestellten Ordnungswidrigkeiten wurden in neun Fällen Strafverfahren eingeleitet. Durch die Leistungssteigerung an den Klein- oder Leichtkrafträdern wird oftmals eine höhere Fahrerlaubnisklasse benötigt, sodass gegen einige Führerscheinneulinge wegen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis ermittelt wird. Für Fahranfänger kann ein derartiger Verstoß dazu führen, dass sie eine Nachprüfung absolvieren müssen oder ihren Pkw-Führerschein erst später erwerben können. Im Falle eines Unfalls können Fahrzeugführer auch auf dem entstandenen Schaden sitzen bleiben, da Versicherungen teilweise nicht zahlen, wenn die Betriebserlaubnis erloschen war oder bautechnische Veränderungen vorgenommen wurden.

Dass die Kontrollen der Klein- und Leichtkrafträder wichtig sind, zeigt ein Verkehrsunfall vom vergangenen Sonntag in Oberwiera, bei dem zwei Jugendliche zum Teil schwer verletzt wurden. Beamte des Verkehrsunfalldienstes nahmen den Unfall auf und stellten fest, dass am Kleinkraftrad Veränderungen an Zylinder und Bremse vorgenommen worden waren. In vielen Fällen wird die Leistung gesteigert, um höhere Geschwindigkeiten zu erreichen, wofür die verbauten Bremsanlagen jedoch nicht vorgesehen sind.

Bei den Kontrollen versuchten sich einige Zweiradführer der anstehenden Polizeikontrolle zu entziehen. Dabei nahmen einige Fahrer hohe Risiken für sich und auch für andere Verkehrsteilnehmer in Kauf. So endete die Flucht vor einer Polizeikontrolle am 6. Mai 2020 in den frühen Abendstunden für einen Unbeteiligten mit schweren Verletzungen. Ein junger Kleinkraftradführer entzog sich in Reichenbach einer Kontrolle und flüchtete über eine größere Fahrtstrecke im Stadtgebiet von Reichenbach. In der Bebelstraße befanden sich drei männliche Personen auf der Straße. Der Mopedfahrer fuhr ungebremst in die Gruppe und stieß mit einem der Fußgänger zusammen. Der Aufprall war so stark, dass der 71-Jährige durch die Luft geschleudert und schwer verletzt wurde. Mittels Rettungshubschrauber wurde er anschließend ins Krankenhaus geflogen. Der Fahrzeugführer setzte seine Fahrt fort, ohne anzuhalten und sich um den Geschädigten zu kümmern. Der Fahrzeugführer stellte sich wenig später. Gegen den 21-jährigen Deutschen wird nun wegen mehrerer Straftaten ermittelt.

Neben umgebauten Klein- und Leichtkrafträdern stellten die Verkehrspolizisten auch einige Selbstbauten fest. So wurde zum Beispiel am Nachmittag des 17. Mai 2020 in Treuen ein Fahrradfahrer angehalten, der sein Mountainbike mit einem Verbrennungsmotor nachgerüstet hatte (siehe Foto). Da es sich damit um ein Kraftfahrzeug mit entsprechender Leistung und Geschwindigkeit handelt, benötigt der Fahrer eine Fahrerlaubnis, welche der 25-jährige Deutsche in diesem Fall nicht besaß. Die Beamten stellten das Fahrzeug sicher. Eine Anzeige wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis war die Folge.

Aufgrund der gehäuften Feststellungen werden die Beamten der Verkehrspolizeiinspektion auch in der nächsten Zeit verstärkt Klein- und Leichtkrafträder kontrollieren.