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Vogtland

Zwickauer Rallye vor 20 Jahren wiederbelebt

MOTORSPORT Comeback einer Traditionsveranstaltung

Zwickau. 

Zwickau. 1957 gab es, damals noch unter dem Namen Acht-Berge-Rallye, die erste Auflage der Zwickauer Rallye. Acht Jahre später wurde sie umbenannt und erhielt den Namen Rallye Sachsenring, doch mit dem Ende der DDR kam auch für sie das Aus. Am 12. August 2000, also heute vor genau 20 Jahren, feierte sie ihr Comeback und zählt seitdem bis heut unter ihrem aktuellen Namen Sachsen-Rallye Zwickau zu den Vorzeige-Veranstaltungen im deutschen Rallye-Kalender.

Neues Jahrtausend, neue (alte) Rallye

In 43 Jahren schwang sich die Rallye Sachsenring zu einer der bedeutendsten Rallyes in der damaligen DDR auf. Dabei erlebte sie genauso Läufe zur nationalen Meisterschaft, wie auch zum Pokal des Ostblocks. Nach vielen Wirren, die die politische Wende so mit sich brachte, musste sich der Zwickauer Motorsportclub neu formieren und orientieren, was im Millenniumsjahr 2000 mit der Austragung einer Rallye 200, damals gewissermaßen der 3. Bundesliga des Rallyesports, glückte. Somit konnte man an die lange Tradition anknüpfen bzw. diese fortsetzen.

Maßgeblichen Anteil am Comeback der Rallye hatte damals auch die westsächsische (Fahrzeug-)Industrie. Mit der Sachsenring Automobiltechnik AG und der Volkswagen Sachsen GmbH standen dem Zwickauer Club zum Beispiel starke Partner zur Seite.

Ein weiterer starker Partner konnte mit dem AvD, dem Automobilclub von Deutschland, gefunden werden, der sich seitdem auch im offiziellen Namen der Zwickauer Rallye widerspiegelt.

Zur nun 34. AvD Rallye Sachsenring rollten am 12. August 2000 120 Fahrzeuge durch den Startbogen. Neben dem Glauchauer Routinier Holger Voigtmann, der die Rallye Sachsenring und die meisten Wertungsprüfungen noch aus den 1980er-Jahren als Aktiver kannte, und dessen Co-Pilot Uwe Flechsig aus Mosel in einem Audi S2 Quattro sowie dem damals zur nationalen Spitze gehöhrenden Norbert Moufang mit der Zwickauerin Sindy Illmann auf dem heißen Sitz eines Opel Kadett, musste man auch das Auto mit der Startnummer 3 auf dem Zettel haben. Dabei handelte es sich um die Paarung Zeltner/Zeltner in einem Gruppe N Proton Pert Evo 5. Doch beim Geschäftsführer des seit 1995 in Hohenstein-Ernstthal bzw. Oberlungwitz beheimateten Verkehrssicherheitszentrum Sachsenring musste man inzwischen ganz genau hinschauen. Dieses Mal war nämlich nicht sein Bruder Thomas, mit dem er ein dreiviertel Jahr zuvor seine erste Rallye, die Rallye Erzgebirge, gewonnen hatte, sein Co., sondern erstmals seine Ehefrau Petra.

Erste Familienausfahrt im Rallye-Auto

Eigentlich fuhren Ruben und Petra Zeltner nach eigener Aussage nur zum Spaß mit, aber ein ganz klein wenig Ehrgeiz schlummerte halt doch in ihnen. So setzten sich Zeltner/Zeltner gleich bei der ersten WP an die Spitze des Klassements, markierten insgesamt sieben von acht Bestzeiten und siegten nach einer Gesamtfahrzeit von 18:41,9 min mit 45,3 Sekunden Vorsprung auf die Zweitplatzierten. Es sollte auf Anhieb der erste von bis dato fünf Gesamtsiegen bei der Zwickauer Rallye für Ruben und Petra Zeltner sein.

Rang zwei ging an Voigtmann/Flechsig, bei denen schon am Anfang der Rallye die Aufhängung des Hinterachsdifferentials gebrochen war. Dank der freundlichen Unterstützung eines Zuschauers, der seinen Hosengürtel spendierte, konnte die Aufhängung wieder fixiert werden, was bei der technischen Nachkontrolle verwunderte Gesichter hervorrief.

Als Dritte kamen Moufang/Illmann ins Ziel, denen zwischenzeitlich auf Platz zwei liegend ein Stempelfehler unterlief.

Promi-Auflauf bei der Renaissance

Neben der Verpflichtung dieser Top-Teams hielt der Veranstalter noch ein paar weitere Bonbons bereit. Da fuhren zum Einen die beiden sächsischen Spitzenteams Maik Stölzel/Thomas Windisch und Carsten Mohe/Helmar Hinneberg mit ihren Gruppe A Ford Escort Cosworth bzw. Renault Megane Kit Car als Vorauswagen. Desweiteren fuhr mit der Doppel-Null in einem Seat Ibiza Cupra der damals noch einmalige Deutsche Rallye Meister (1997) Matthias Kahle. Der gebürtige Görlitzer sollte es in seine Karriere noch auf insgesamt sieben DRM-Titel bringen.

In ihrer Geburtsstadt füllten auch rund drei Dutzend Trabis das Starterfeld, von denen Dirk Hackenberg/Mandy Kunz aus Lichtenstein bzw. Thierfeld die Klasse F9 bis 600 ccm sowie die Trabant Fahrertrophäe gewannen.

In diesem Jahr war die Sachsen-Rallye Zwickau ursprünglich im Mai wieder als Lauf zur Deutschen Rallye Meisterschaft geplant. Nachdem sie Corona-bedingt zunächst auf Anfang September verschoben wurde, sagte man sie auf Grund der nach wie vor kahlschlagartigen Restriktionen für 2020 inzwischen ganz ab.